Mitten im August ist auf dem Stelvio-Gletscher vorerst Schluss mit dem Skifahren. Die hohen Temperaturen der vergangenen Wochen und heftige Gewitter haben den Bedingungen am Stilfser Joch in Südtirol stark zugesetzt. Europas letztes großes Sommer-Skigebiet stellt deshalb den Skibetrieb ein.
Normalerweise läuft die Saison dort von Mai bis November. Die Betreiber sprechen nun von einer "schmerzlichen, aber notwendigen Entscheidung".
Zum Problem werden nicht nur die hohen Temperaturen tagsüber. Auch in den Nächten fehlt mittlerweile die nötige Abkühlung. Dadurch kann die Schneedecke nicht ausreichend durchfrieren. Gleichzeitig setzen Gewitter dem Gletscher zu.
Unter diesen Voraussetzungen könnten die notwendigen Qualitäts- und Sicherheitsstandards für den Sommer-Skilauf nicht mehr gewährleistet werden.
Wie warm es zuletzt selbst weit oben in den italienischen Alpen war, zeigen Messungen aus der Region. Mitte August wurden laut ANSA am Forni-Gletscher in mehr als 2.000 Metern Höhe 17 Grad gemessen. Beim rund 3.000 Meter hoch gelegenen Passo Marinelli waren es neun Grad.
Das Skigebiet am Stilfser Joch erstreckt sich zwischen dem 2.758 Meter hohen Pass und dem 3.450 Meter hohen Monte Cristallo. Unter normalen Bedingungen stehen dort mehr als 20 Pistenkilometer zur Verfügung.
Auch internationale Spitzenathleten nutzen das Gebiet jedes Jahr, um sich im Sommer auf die kommende alpine Skisaison vorzubereiten.
Es ist nicht das erste Mal, dass hohe Temperaturen den Betrieb stoppen. Bereits im Juli 2022 musste das Sommer-Skifahren wegen extremer Hitze unterbrochen werden. Rund zwei Monate später konnten die Pisten damals wieder öffnen.
Ob das auch heuer gelingt, ist noch offen. Die Betreiber hoffen auf niedrigere Temperaturen. Die Bergbahnen zum Gletscher bleiben vorerst in Betrieb und können etwa von Wanderern genutzt werden.
Auch andere Sommer-Skigebiete in den Alpen kämpfen mit der Hitze. Ende Juli stellte Zermatt den Betrieb ein, Anfang August folgte Saas-Fee.
Der Bozener Hydrologe Roberto Dinale sieht die Entwicklung kritisch. "Ich denke nicht, dass das nachhaltig so erhalten bleiben kann", sagte er dem italienischen Rundfunk Rai.
Technisch könne zwar versucht werden, den Betrieb weiterzuführen. Dinale hält jedoch fest: "Aber es ist nicht das, was die Natur derzeit auf unseren Bergen hergibt."
Ob auf dem Stelvio-Gletscher in dieser Saison noch einmal Skifahrer unterwegs sein werden, hängt nun von der weiteren Temperaturentwicklung ab.