Der traditionsreiche Leykam-Verlag zieht sich aus großen Teilen seines Programms zurück – und sorgt damit für Diskussionen in der heimischen Buchbranche.
Der älteste Verlag Österreichs wird ab 2027 keine neuen Titel mehr in den Bereichen Literatur, Kinderbuch und populäres Sachbuch veröffentlichen. "Aus wirtschaftlichen Gründen", wie es in einem Instagram-Posting des Verlags formuliert wird.
Geschäftsführer Stefan Gartler erklärt gegenüber der APA dazu: "Der Publikumsbereich ist defizitär und kann nicht aufgefangen werden. Daher wird es in diesen Bereichen keine neuen Projekte geben können. Was wir sehr bedauern".
Wie hoch die Verluste tatsächlich sind, wollte er nicht näher ausführen. Aktuell beschäftigt der Verlag sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Voll- oder Teilzeit.
Das Herbstprogramm soll noch wie geplant erscheinen, danach will sich der Verlag auf die wissenschaftlichen und pädagogischen Publikationen konzentrieren. Bereits erschienene Bücher bleiben weiterhin erhältlich und sollen – je nach Nachfrage – nachgedruckt werden.
Über Jahre hinweg hatte sich Leykam mit gesellschaftlich relevanten Themen und anspruchsvollen Programmen eine eigene Nische geschaffen.
Für viele Kulturschaffende markiert die Entscheidung das Ende einer Ära. Zu den Autorinnen und Autoren des Hauses zählen unter anderem Ada Diagne, Bettina Balàka, Mareike Fallwickl, Andrea Grill, Ulrike Haidacher, Lydia Mischkulnig, Eva Reisinger, Fabian Navarro, Jaqueline Scheiber, Wlada Kolosowa sowie Michael Stavarič. Letzterer reagierte deutlich: "Ein wunderbares Kinderbuchprogramm wird in Österreich aufgegeben, weil man seinen Wert nicht erkennt bzw. unterschätzt. Weil es zu viel kostet".
In seinem Social-Media-Posting warnte er zudem vor größeren Auswirkungen auf die Kulturlandschaft: "Im gesamten Kunst- und Kulturbereich gibt es Kürzungen, Streichungen von Fördermitteln etc. – die Budgets geben es angeblich nicht mehr her. Am Ende wird der Markt schon alles regeln, möchte man fast sagen. Am Ende wird es eine Welt geben, in der ich nicht mehr leben will. Und glaubt mir: Ihr auch nicht!".