In Graz beginnt heute, Montag, ein aufsehenerregender Prozess. Eine Justizwachebeamtin muss sich vor Gericht verantworten, weil sie über längere Zeit ein Schmuggelnetz innerhalb einer Justizanstalt betrieben haben soll. Neben ihr sind acht weitere Angeklagte angeklagt, darunter mehrere Häftlinge und Ex-Häftlinge.
Begonnen hat alles dem Ermittlungsstand nach im Sommer 2022. Laut Anklage brachte ein Insasse die Beamtin auf die Idee, verbotene Gegenstände wie Handys und Suchtmittel ins Gefängnis zu schmuggeln. Was zunächst mit einem einzelnen Mobiltelefon begann, entwickelte sich laut Staatsanwaltschaft rasch zu einem regelmäßigen Handel. Die Beamtin soll Geld für ihre bevorstehende Hochzeit und für eine Unternehmensgründung ihres Verlobten benötigt haben, das berichtet der ORF.
Der Frau wird vorgeworfen, insgesamt 79 Mobiltelefone samt Zubehör, rund ein halbes Kilo Cannabis und etwa 85 Gramm Kokain in die Justizanstalt gebracht zu haben. Zusätzlich soll sie SIM-Karten, Alkohol, Potenzmittel und weitere Gegenstände verkauft haben. Insgesamt soll sie dadurch rund 89.000 Euro eingenommen haben.
Die Bezahlung lief laut Anklage über Paysafecards, also anonyme Guthabencodes für Onlinezahlungen, sowie teilweise über Bargeld. Dieses soll außerhalb der Justizanstalt an einem diskreten Ort hinterlegt worden sein, der einem Bekannten der Beamtin gehörte. Dieser soll Cannabis im großen Stil angebaut haben. Genau dieses Cannabis sei anschließend von der Beamtin im Gefängnis weiterverkauft worden.
Neben der Hauptangeklagten müssen sich ab Montag acht weitere Personen vor Gericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, in den groß angelegten Schmuggelhandel innerhalb der Justizanstalt verwickelt gewesen zu sein. Der Beamtin werden unter anderem Missbrauch der Amtsgewalt, Bestechlichkeit und Suchtmittelhandel zur Last gelegt. Im Fall eines Schuldspruchs drohen ihr bis zu siebeneinhalb Jahre Haft.
Aufgedeckt wurde der Fall, nachdem sich Insassen an die Behörden gewandt hatten. Danach folgten Videoüberwachung und weitere Ermittlungen. Die Justizwachebeamtin ist voll geständig. Der Prozess ist auf drei Tage angesetzt.