Mit 120 km/h durch die Innenstadt, rote Ampeln ignoriert, über Radwege gebrettert, auf die Gegenfahrbahn gezogen – und am Ende zu Fuß geflüchtet: Was sich wie eine Szene aus einem Actionfilm liest, spielte sich am 20. Juli 2022 mitten in Hamburg ab.
Damals wussten die Polizisten noch nicht, wen sie da jagten. Heute ist klar: Am Steuer saß Star-Rapper Kalim (32). Und genau diese wilde Flucht könnte ihn jetzt direkt hinter Gitter bringen.
Der Wagen: ein Porsche Cayenne GTS mit rund 500 PS. Die Geschwindigkeit: teils mehr als doppelt so hoch wie erlaubt. Als die Polizei den SUV am Baumwall kontrollieren wollte, drückte der Fahrer dann so richtig aufs Gas. Über die einspurige Niederbaumbrücke soll Kalim sogar einen Lkw rechts über den Radweg überholt haben. Danach ging es weiter durch den Baumwall, über eine rote Ampel, mit riskantem Spurwechsel auf die Gegenfahrbahn. Schließlich Vollbremsung, Ausstieg, Flucht zu Fuß.
Erst später stellte sich heraus, wer da so rücksichtslos unterwegs war: Kalim Schamim, besser bekannt als Kalim, einer der erfolgreichsten Straßenrapper des Landes.
Der Deutsch-Afghane feierte seinen Durchbruch mit "AON Spezial" an der Seite von Xatar (†41) und SSIO (37), landete mit neun Alben in den Charts, kassierte Gold für den Hit "Skrr" und arbeitete mit Größen wie Gzuz, Haftbefehl und Bonez MC. Heute steht er bei Universal Music unter Vertrag, doch vor Gericht hilft ihm das wenig.
Denn laut Anklage wollte sich Kalim bewusst einer Polizeikontrolle entziehen. Als die Beamten ihn schließlich stoppten, soll er sich massiv gewehrt haben: Körperspannung, Drehen, Widerstand. Die Folge: Ein Jahr Haft ohne Bewährung! So lautete zumindest das Urteil vom 13. September. Doch Kalim legte Berufung ein. Das Urteil ist daher noch nicht rechtskräftig.
Eigentlich hätte der Fall jetzt neu verhandelt werden sollen, doch erneut platzte der Termin. Schon im September 2024 und im Januar 2025 kam es zu keiner Verhandlung. Ein Problem für den Rapper: Kalim gilt als Dauergast vor Gericht. Eine Bewährung bei einem neuen Urteil? Extrem unwahrscheinlich.
Besonders brisant: Kalim besitzt seit 2017 keinen Führerschein mehr. Trotzdem setzte er sich immer wieder ans Steuer. 2018 wurde er ohne Fahrerlaubnis in einem Mercedes G350d erwischt, 2020 gleich zweimal erneut. Bei einer dieser Kontrollen fanden Beamte sogar eine scharfe Schusswaffe samt Munition in der Mittelkonsole, obwohl gegen ihn bereits seit 2008 (!) ein Waffenverbot besteht.
Der Wagen wurde beschlagnahmt. Im August 2020 folgte die nächste Verurteilung: ein Jahr Bewährung und 28.800 Euro Geldstrafe wegen Beleidigung und notorischen Fahrens ohne Führerschein.