Tausende Nachrichten eines internen Telegram-Chats von ranghohen Politikern der republikanischen Jugendpartei wurden von "Politico" veröffentlicht. In dem fast 3000 Seiten umfassenden Chatprotokoll übertreffen sich die Mitglieder der Gruppe namens "Restore Young Republicans War Room" gegenseitig mit rassistischen, sexistischen und antisemitischen Äußerungen, Gewaltfantasien und Verherrlichungen des NS-Regimes unter Hitler. Diverse der Beteiligten bekleiden Posten in Trumps Regierung oder führen republikanische Landesverbände an.
"Jeder, der Nein stimmt, kommt in die Gaskammer": Das schrieb etwa Peter Guinta, damaliger Vorsitzender der New York State Young Republicans. Bei der Nachricht ging es um eine bevorstehende Wahl zum Vorsitz der nationalen Young Republican Federation, die 15.000 Mitglieder umfasst und die landesweite Jugendpartei der Republikaner ist.
Weiter schrieb er, dass er "einige der besten physischen Foltermethoden" entwickeln werde, die die Menschheit je gesehen habe – schließlich wolle man "nur wahre Gläubige." Ein Chat-Mitglied reagierte mit einem Flammen-Emoji, während ein anderes schrieb, er sei "bereit, Menschen brennen zu sehen".
Ein anderer schlug vor, dass man die Menschen in falscher Sicherheit wiegen solle: "Wir sagen ihnen ‹kommt rein, nehmt eine Dusche und entspannt euch› – und zack, sind sie tot." Das ist eine direkte Parallele zum Vorgehen der Nationalsozialisten, die über 2,7 Millionen Juden unter dem gleichen Vorwand in Gaskammern töteten.
Auch bei Gesprächen zu ihrer Konkurrenz fantasieren die jungen Republikaner über Gewaltexzesse: So schlug Luke Mosiman, der Vorsitzende der republikanischen Jugendpartei in Arizona, etwa die Vergewaltigung von Hayden Padgett vor. Dieser hatte Guinta bei den oben erwähnten Wahlen zum Vorsitz der landesweiten Jugendpartei besiegt.
Die Politico von Insidern zugespielten Chatprotokolle umfassen den Zeitraum Jänner bis August 2025. Währenddessen unternahmen die Mitglieder der Gruppe auch Bestrebungen, um die Jung-Republikaner landesweit auf einen Pro-Trump-Kurs zu bringen und Kritiker ins Abseits zu stellen. Als Reaktion auf die geleakten Nachrichten haben nicht nur Demokraten, sondern auch prominente Republikaner sich distanziert und die Betroffenen zum Rücktritt aufgefordert.
Denn: Diverse der Jungpolitiker bekleiden bereits ranghohe Posten. So etwa Michael Bartels, der laut seinem Linkedin-Profil als leitender Berater in der Rechtsabteilung der US-Regierungsbehörde für KMUs arbeitet. Zwar äußerte er sich in der Gruppe nie selbst explizit rassistisch oder abschätzig, gebot dem Gebaren seiner Kolleginnen und Kollegen aber auch keinerlei Einhalt.
Diverse weitere Mitglieder, die sich explizit rassistisch geäußert und über die systematische Tötung gewisser Gruppen fantasiert haben, leiten örtliche Ableger der republikanischen Jungpartei: So ist Peter Guinta heute Stabschef des New Yorker Abgeordneten Mike Reilly, während William Hendrix stellvertretender Vorsitzender der jungen Republikaner im Bundesstaat Kansas ist.
Mittlerweile haben diverse der Involvierten zugegeben, die Nachrichten geschrieben zu haben, und sich entschuldigt. Mehrere Beteiligte haben durch das Chat-Leak bereits ihre Jobs oder politischen Positionen verloren. Die Demokraten in New York haben ihre republikanischen Kollegen aufgerufen, Guinta für dessen "absolut widerwärtigen, abscheulichen und gefährlichen Äußerungen" zu verurteilen.
Die Chatmitglieder waren sich offenbar bewusst, dass eine Veröffentlichung des Chats schwerwiegende Konsequenzen haben könnte: "Wenn wir je ein Leck in diesem Chat hätten, wären wir am Arsch", lautet eine der Nachrichten. Trotzdem tauschten sie sich über Monate ungeniert über das Vergasen politischer Opponenten, rassistische Klischees und Gewaltfantasien aus.