Was über Tyler R. bekannt ist

Charlie Kirks Killer kommt aus Familie von Trump-Fans

Der 22-jährige mutmaßliche Schütze wuchs in einer erzkonservativen Familie auf. Seine Eltern sind eingefleischte Trump-Fans. Das ist bisher bekannt.
Newsdesk Heute
13.09.2025, 16:55
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Sofort nach der Ermordung des rechten US-Aktivisten Charlie Kirk wurde das Attentat für politische Hetze missbraucht. US-Präsident Donald Trump, der seinen Wahlsieg unter anderem auch dem Einfluss des Aktivisten auf die amerikanische Jugend verdankte, machte in einer Ansprache "radikale Linke" für die Tat verantwortlich. Seine MAGA-Gefolgsleute trommelten nach und auch in Österreich wurde diese Erzählung von der FPÖ aufgegriffen.

"Das passiert, wenn die Linke keine Argumente mehr hat", schoss die blaue Nationalratsabgeordnete und Juristin Susanne Fürst am Tag danach in einem FPÖ-TV-Video: "Diese gefährlichen Extremisten müssen entschieden bekämpft werden." Parteichef Herbert Kickl bezeichnete die Ermordung Kirks zudem in einem Partei-Schriftsatz am 11. September als "Anschlag auf jeden, der es wagt, dem linken Mainstream zu widersprechen".

Als diese Schuldzuweisungen getätigt wurden, war der Killer noch auf der Flucht und noch nicht einmal identifiziert. Ein "radikaler Linker"? Das konnte zu diesem Zeitpunkt niemand wissen.

Was über den Schützen bekannt ist

Inzwischen konnte der mutmaßliche Schütze verhaftet werden. Was bisher über den persönlichen Hintergrund von Tyler R. (22) bekannt wurde, zeichnet ein deutlich differenzierteres Bild als die ideologischen Kampfparolen der Parteien.

R. stammt aus Washington County im Süden Utahs, rund 400 Kilometer vom Tatort entfernt. Nachbarn und Klassenkameraden beschreiben ihn als einen schüchternen und verschlossenen, aber intelligenten jungen Mann mit den besten Schulnoten.

Er wuchs in einer durch und durch konservativen und bewaffneten Mormonen-Familie auf, interessierte sich sehr für Videospiele und Comics. Trotz Top-Noten und einem Stipendium an der Utah State University entschied sich R. schon nach einem Semester abzubrechen und eine Elektriker-Ausbildung zu beginnen.

Früher "eingefleischter Trump-Anhänger"

Seine Oma Debbie (69) ist fassungslos, kann sich die Bluttat nicht erklären. Die Angehörige öffnete sich am Freitag, nachdem die Verhaftung bekannt wurde, gegenüber der "Daily Mail": "[Tyler] ist ein sehr schüchterner Mensch. Er hat mit mir noch nie über Politik gesprochen. Mein Sohn, sein Vater, ist Republikaner und unterstützt Trump. Die meisten meiner Familienmitglieder sind Republikaner. Ich kenne niemanden, der Demokrat ist."

Ein anderes Familienmitglied schildert, dass der junge Mann "in den vergangenen Jahren immer politischer" geworden sei. Er hatte sich zwar als Wähler registriert, bei den jüngsten Urnengängen aber nicht abgestimmt. Kurz vor dem Attentat soll er am Esstisch den bevorstehenden Besuch Charlie Kirks thematisiert haben. Dabei soll auch folgende Aussage über den christlich-nationalen Influencer gefallen sein: "Er ist voller Hass und verbreitet noch mehr Hass".

Ein Elektriker, der vor wenigen Wochen mit R. zusammengearbeitet hatte, schildert "CNN": "Er sprach kaum über Politik... außer jemand anderer fing damit an." Trump und Kirk habe er "nicht besonders" gemocht. Das war vor einigen Jahren noch ganz anders, erinnert sich ein ehemaliger Highschool-Klassenkamerad: "Als ich ihn und seine Familie kennenlernte, waren sie eingefleischte [eng. 'diehard', Anm.] Trump-Anhänger. Ich weiß nicht, was sich verändert hat."

Vier Botschaften auf Patronenhülsen

Über das Motiv hinter dem tödlichen Attentat herrscht noch Unklarheit. Ermittler fanden jedoch drei nicht abgefeuerte Patronenhülsen mit eingravierten Inschriften, die sowohl auf Antifaschismus als auch auf die von Ironie durchdrungene Gamer-Szene und Meme-Kultur verweisen.

Auf einer stand "Hey Faschist! Fang!", gefolgt von einer Reihe von Pfeilen: Einer zeigte nach oben, ein anderer nach rechts und drei nach unten. Im beliebten Online-Shooter "Helldivers 2" kann der Spieler damit einen mächtigen Luftschlag auf ein Ziel anordnen.

Eine zweite Hülse enthielt die bekannte Refrain-Zeile aus "Bella ciao", einem Lied, das durch die italienischen Partisanen im Zweiten Weltkrieg bekannt wurde und immer noch in der Popkultur weit verbreitet ist. Zuletzt fand es auch Verwendung im Shooter "Far Cry 6" und der Netflix-Serie "Haus des Geldes".

"Wenn du das liest, bist du schwul, lmao", hatte R. in Patrone Nummer drei gekratzt. Kirk hatte unter anderem eine Bibel-Passage über die Steinigung von Homosexuellen als "Gottes vollkommenes Gesetz in Bezug auf sexuelle Angelegenheiten" bezeichnet.

Das Meme "Notices bulge / OwO What’s this?" verspottet die Furry-Szene.
KnowYourMeme

Auf der Hülse der Kugel, die Charlie Kirk tötete, steht: "Notices bulge / OwO What’s this?". Es handelt sich dabei um ein Internet-Meme, das sich über die sogenannten Furries lustig macht. "Letztendlich wird dieser Satz als eines der peinlichsten Dinge dargestellt, die man einer anderen Person schreiben könnte", weiß das Portal "KnowYourMeme".

Bis zur Veröffentlichung der Ergebnisse der Einvernahmen kann über die Bedeutung dieser Inschriften für Tyler R. nur spekuliert werden.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 14.09.2025, 12:14, 13.09.2025, 16:55
Jetzt E-Paper lesen