Lobautunnel-Aus – Mehr Straßen bringen mehr Verkehr

Der Pkw-Anteil am Verkehrsaufkommen betrug heuer 88 Prozent, analysierte der VCÖ. Vor der Coronakrise lag er auf den Autobahnen und Schnellstraßen fast gleichauf bei 89 Prozent.
Der Pkw-Anteil am Verkehrsaufkommen betrug heuer 88 Prozent, analysierte der VCÖ. Vor der Coronakrise lag er auf den Autobahnen und Schnellstraßen fast gleichauf bei 89 Prozent.ALEX HALADA / picturedesk.com
VCÖ will betriebliches Mobilitätsmanagement sowie mehr Öffis, um die Verkehrsbelastung vor allem in den Ballungsräumen rasch zu reduzieren.

Auf Österreichs am stärksten befahrenem Autobahnabschnitt, der Wiener Südosttangente (A23) auf der Höhe Donauinsel, waren heuer im Schnitt 164.100 Kfz pro Tag unterwegs, 93 Prozent waren Pkw, berichtete der VCÖheute in einer aktuellen Studie. Generell betrage der Pkw-Anteil am Verkehrsaufkommen auf den heimischen Autobahnen und Schnellstraßen 74 bis 95 Prozent.

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Die Angaben des Verkehrsclubs Österreich basieren auf Daten von rund 270 Asfinag-Zählstellen. Auf A3, A7, A22 und A23 ist der Pkw-Anteil demnach mit deutlich über 90 Prozent am höchsten. Auf den Transitautobahnen A13 und A8 sei er mit rund drei Viertel am niedrigsten. Ähnlich wie auf der Tangente sei die Situation auf der A22 bei Kaisermühlen in Wien, wo 94.300 der rund 99.000 Kfz pro Tag Pkw waren (95 Prozent). Auch im Ballungsraum Linz sei der Auto-Anteil sehr hoch: 76.500 der täglich auf der A7 durch den Tunnel Bindermichl fahrenden 81.500 Kfz waren Pkw (95 Prozent).

Im Schnitt betrug heuer der Pkw-Anteil am Verkehrsaufkommen 88 Prozent, analysierte der VCÖ. Vor der Coronakrise lag er auf den Autobahnen und Schnellstraßen fast gleichauf bei 89 Prozent.

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VCÖ begrüßt das Aus für den Lobautunnel

Dass der "sündteure Lobautunnel durch den Nationalpark" nicht gebaut wird, sei für den VCÖ nicht nur aus Umwelt-, sondern auch aus Verkehrssicht eine kluge Entscheidung. Denn Straßenausbau führe zu mehr Verkehr und "damit a la longue wieder zu mehr Staus". Die Klimaziele könne Österreich nur mit einer verstärkten Verlagerung von Autofahrten auf Öffis erreichen, betonte der VCÖ. Statt neuer Straßen sei der Öffentliche Verkehr auszubauen.

Betriebliches Mobilitätsmanagement sowie mehr Bahn- und Busverbindungen könnten die aktuellen Verkehrsbelastungen vor allem in den Ballungsräumen rasch reduzieren. Anrainer und Pendler brauchen rasch wirksame Maßnahmen, forderte der VCÖ. "Der teure Lobautunnel durch den Nationalpark hätte in Summe nicht nur zusätzlichen Verkehr verursacht, sondern wäre auch nicht vor dem Jahr 2030 fertig geworden", sagte VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Weg zur Arbeit verursacht Verkehrsspitzen

In den Ballungsräumen werden die Verkehrsspitzen vor allem durch den Autoverkehr zur Arbeit verursacht. Unternehmen könnten durch Mobilitätsmanagement erreichen, dass mehr Beschäftigte mit öffentlichen Verkehrsmitteln und in Fahrgemeinschaften in die Arbeit strömen. So habe Boehringer Ingelheim in Wien-Hetzendorf den Anteil der mit Öffis und Fahrrad kommenden Beschäftigten von 47 auf 70 Prozent erhöht.

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"Weitere Beispiele für erfolgreiches Mobilitätsmanagement sind unter anderem Infineon in Villach, die Anton Paar GmbH in Graz oder Haberkorn in Wolfurt in Vorarlberg", sagte VCÖ-Experte Schwendinger. Berger-Logistik habe seinen Standort zum Bahnhof Wörgl verlegt, Mobilitätsmanagement umgesetzt und erreicht, dass nun acht von zehn Beschäftigten mit Bahn, Bus oder Fahrrad anreisen.

Derzeit sitze in über 90 Prozent der Pkw am Arbeitsweg nur eine Person. "Dort, wo es keine Schienen gibt, sind Schnellbus-Verbindungen rasch umsetzbar", sagte VCÖ-Experte Schwendinger. Eine einzige Busfahrt könne rund 40 Autofahrten ersetzen. Künftig würden zudem wohl Homeoffice und Videokonferenzen verstärkt genutzt und "verkehrsvermeidend wirken", so der VCÖ.

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