Bye bye Lobautunnel – Umstrittenes Projekt wird begraben

Umweltschutzaktivisten haben bald allen Grund zum Feiern. Wenn die Lobau-Autobahn tatsächlich abgesagt wird, dann gehört das zu den größten Umweltschutz-Erfolgen der letzten Jahrzehnte.
Umweltschutzaktivisten haben bald allen Grund zum Feiern. Wenn die Lobau-Autobahn tatsächlich abgesagt wird, dann gehört das zu den größten Umweltschutz-Erfolgen der letzten Jahrzehnte.JOE KLAMAR / AFP / picturedesk.com
Der umstrittene Lobautunnel wird offenbar nicht gebaut. Seitens des Ministeriums wollte man dies indes "weder dementieren noch bestätigen".

Der umstrittene Lobautunnel, der als Teil der Wiener Außenring-Schnellstraße vorgesehen war, wird - wie "Heute" bereits berichtete - sehr wahrscheinlich nicht gebaut. Das zuständige Ministerium will weiterhin "weder dementieren noch bestätigen". Mit dem Projekt betraute politische Beobachter gehen allerdings davon aus, dass sich Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) am Mittwoch in der Früh bei einer Pressekonferenz im Verkehrsministerium - im Rahmen der ASFINAG-Straßenbau-Evaluierung - gegen den Bau einer Autobahn im Naturschutzgebiet aussprechen wird.

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Der Lobautunnel ist ein zentrales Element der geplanten S1-Wiener-Außenring-Schnellstraße zwischen Schwechat und Groß-Enzersdorf. Dabei wäre die Lobau teilweise unterirdisch gequert worden. Umweltschutzorganisationen laufen seit Jahren dagegen Sturm. Die Weltnaturschutzunion IUCN drohte erst kürzlich dem Nationalpark Donau-Auen die internationale Anerkennung zu entziehen - wegen dem geplanten Lobautunnel.

Wenn die Lobau-Autobahn tatsächlich abgesagt wird, dann gehört das zu den größten Umweltschutz-Erfolgen der letzten Jahrzehnte, jubeln Umweltschützer einstimmig. Aktivistinnen und Aktivisten blockieren seit drei Monaten die Baustellen der Lobau-Autobahn sowie Stadtstraße. Greenpeace präsentierte am Dienstag eine aktuelle Studie, die den Fokus auf den voraussichtlichen Bodenverbrauch des Straßenbauprojekts legt. Demzufolge würden 178 Hektar landwirtschaftliche Flächen langfristig versiegelt.

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Klagsdrohung und Erleichterung

In einer ersten Reaktion sagt Wolfgang Rehm, Sprecher der Umweltorganisation VIRUS und Lobau-Aktivist der ersten Stunde, dass der wahrscheinliche Baustopp ein "längst überfälliger Meilenstein" wäre. "Klimaschädliche Projekte aus der Alt-Betonzeit, die noch dazu nicht einmal die behauptete Verkehrsentlastung bringen, sind keine Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit!"

"Wenn wie  berichtet, der Lobautunnel nicht gebaut wird, wäre das sowohl aus Umwelt- als auch Verkehrssicht sehr zu begrüßen", sagt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer. "Denn mehr Straßen bedeuten noch mehr Lkw und mehr Autoverkehr und damit auch wieder mehr Staus. Statt sündteure Tunnel durch den Nationalpark braucht es mehr Öffi-Verbindungen!"

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Ähnlich die Reaktion bei Greenpeace: "Eine Absage des Lobautunnels wäre die einzig richtige Entscheidung. Das Megaprojekt Lobau-Autobahn gefährdet einen unersetzlichen Lebensraum, schädigt das Klima und droht eine Verkehrslawine auszulösen", sagt Klara Maria Schenk.

Die prominente Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb sagt im "Heute"-Gespräch, dass sie die bevorstehende Entscheidung aus dem Ministerium nachvollziehen kann: "Ich hoffe, dass Wien und Niederösterreich dies als Chance begreifen, die eigenen Verkehrs-, Siedlungs- und Raumordnungskonzepte an eine netto-Null Zukunft 2040 im Interesse der Einhaltung des 1,5°C Klimazieles anzupassen"."

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Wien droht mit Klage - Umweltschützer jubeln

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig will gegen einen etwaigen Lobautunnel-Stopp klagen. Er beruft sich dabei auf eine positive Umweltverträglichkeitsprüfung. Umweltschützer Wolfgang Rehm: "Klagsdrohungen kann die Ministerin gelassen entgegen sehen", es sei leichter, "Klagen auf Phantasiesummen anzukündigen als tatsächlich eine rechtlich haltbare Legitimation zu konstruieren."

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