Strom sparen

Lohnt sich ein dynamischer Stromtarif?

Ein Ingenieur hat zwei Jahre lang seinen dynamischen Stromtarif getestet. Sein Fazit: Es kommt auf die richtige Ausstattung und Flexibilität an.
Technik Heute
28.02.2026, 14:56
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Dynamische Stromtarife versprechen günstigeren Strom, wenn viel Wind weht oder die Sonne scheint. Doch wenn Strom knapp ist, kann es auch teurer werden. Ob sich das Modell auf Dauer auszahlt, hat ein deutscher Ingenieur über zwei Jahre hinweg überprüft.

Diplom-Ingenieur Thorsten Knijnenburg hat seine Abrechnungen aus 2024 und 2025 detailliert ausgewertet. Sein durchschnittlicher Strompreis lag bei 17,38 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2024 und bei 18,45 Cent im Jahr 2025. Dabei schwankten die Preise erheblich: In Spitzenzeiten zahlte er bis zu 54 Cent, in günstigen Phasen unter 30 Cent.

Wie chip.de berichtet, ist sein Fazit nach zwei Jahren positiv - aber an Bedingungen geknüpft. "Man kann nicht einfach sagen: Ich lade dann zum Beispiel das Auto, wenn es zu teuer ist. Ja, das ist schlecht", erklärt er. Wer sparen wolle, müsse flexibel auf die Preisschwankungen reagieren.

PV-Anlage und Speicher als Schlüssel zum Sparen

Ein wesentlicher Faktor für seine günstige Bilanz ist die eigene Photovoltaikanlage mit rund neun Kilowattpeak Leistung und ein Batteriespeicher. Im Sommer lädt er seine E-Autos direkt vom Dach, im Winter nutzt er gezielt günstige Börsenpreise, um den Speicher aufzuladen. "Ich lade dann meinen Hausakku voll und dann komme ich natürlich für die teure Zeit über den Tag", so der Ingenieur.

Wirtschaftlich sinnvoll sei das ab einem Preisunterschied von acht Cent zwischen günstiger und teurer Phase. In manchen Monaten fiel sein Durchschnittspreis sogar ins Negative - weil massiv Wind- und Solarenergie eingespeist wurde und die Börsenpreise unter null rutschten.

Steigende Nebenkosten drücken die Ersparnis

Allerdings sind einzelne Umlagen deutlich gestiegen. Besonders die Netzentgelte haben sich laut Knijnenburg mehr als verdoppelt: von 0,643 Cent auf 1,56 Cent pro Kilowattstunde. Auch die Offshore-Netzumlage und die Grundgebühr wurden teurer. Wer also auf einen dynamischen Tarif setzt, muss diese Kostensteigerungen im Blick behalten.

Auch feste Stromtarife können sich lohnen - etwa für E-Auto-Besitzer ohne Solaranlage. Anbieter wie Octopus Energy werben mit festen Preisen von 27 bis 28 Cent und Zusatzvergünstigungen für gesteuertes Laden. Für Haushalte ohne eigene Stromerzeugung kann das die einfachere Lösung sein.

Für wen lohnt sich der Umstieg?

Entscheidend ist die individuelle Situation: Verbrauchszeiten, Haushaltsgröße, ob man im Homeoffice arbeitet und wie flexibel man beim Laden von E-Autos oder Batteriespeichern ist. Auch eine Wärmepumpe kann von günstigen Nachtstrompreisen profitieren. Ohne smarte Geräte und Flexibilität bringt ein dynamischer Tarif aber kaum Vorteile.

Knijnenburg selbst bleibt bei seinem dynamischen Tarif: "Für mich bin ich nach wie vor hier mit meinen 18,5 Cent jetzt als Schnitt super unterwegs." Wer ähnlich ausgestattet ist, kann also durchaus profitieren - alle anderen sollten genau rechnen, bevor sie wechseln.

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