Nach mehr als fünf Wochen ist Schluss: Die spanische Polizei hat am Dienstag ein Protestcamp gegen die Wohnungsnot im Zentrum von Madrid geräumt. Gegen 3 Uhr früh rückten die Einsatzkräfte auf der berühmten Puerta del Sol an. Insgesamt wurden 334 Menschen vom Platz gebracht.
An der groß angelegten Räumung waren rund 400 Polizisten sowie Feuerwehr und Sozialdienste beteiligt. Zwei Personen wurden wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt festgenommen.
Während die Behörden von einem friedlichen Einsatz "ohne Zwischenfälle" sprechen, schildern die Demonstranten eine völlig andere Situation. Sie werfen der Polizei gewaltsames Vorgehen und den Einsatz von Pfefferspray vor.
Mehrere Menschen sollen dabei verletzt worden sein. Einige Teilnehmer beklagten zudem, dass sie ihre persönlichen Gegenstände nicht einmal mehr mitnehmen durften.
Die Behörden rechtfertigten den Großeinsatz als letztes Mittel. Das Camp habe sich in den vergangenen Wochen stark verändert. Ursprünglich sollte mit der Aktion auf die massive Wohnungsnot in der spanischen Hauptstadt aufmerksam gemacht werden.
Mittlerweile hätten sich jedoch mehrere Gruppen, die den Protest organisiert hatten, zurückgezogen. Stattdessen hätten zunehmend Obdachlose auf dem Platz übernachtet. Auch mutmaßliche Straftaten im Camp und dessen unmittelbarer Umgebung seien registriert worden.
Nach mehr als fünf Wochen Protest ist die Puerta del Sol damit wieder geräumt. Das Problem, gegen das die Menschen dort demonstriert hatten, bleibt allerdings bestehen: die Wohnungsnot in Madrid.