Holen sich seltener Hilfe

Männer kämpfen mit Rollenbild: "Sie müssen stark sein"

Die Zahlen sind eindeutig: Deutlich mehr Frauen als Männer holen sich Unterstützung bei der Krisenhilfe OÖ. Prävention soll das Tabu jetzt brechen.
Lea Strauch
09.03.2026, 03:00
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Wenn alles zu viel wird, hilft ein Anruf oft schon weiter. Doch wer tatsächlich zum Hörer greift, ist bei der Krisenhilfe OÖ sehr ungleich verteilt: Es melden sich deutlich mehr Frauen als Männer. Für Geschäftsfeldleiterin Katja Sieper hat das wenig mit Geschlechterstereotypen zu tun – sondern damit, wie wir Gefühle von klein auf lernen.

Die Krisenhilfe OÖ

Um die Krisenversorgung in Oberösterreich flächendeckend und noch umfassender gewährleisten zu können, haben sich pro mente OÖ, EXIT-sozial, Rotes Kreuz, Telefonseelsorge OÖ und Notfallseelsorge unter dem Namen Krisenhilfe OÖ zusammengeschlossen.

Neben dem ständig verfügbaren Krisentelefon bietet die Krisenhilfe OÖ in psychosozialen Notsituationen auch Online- und Chatberatung, persönliche Gespräche und mobile Einsätze, etwa in Form von Hausbesuchen.

Die Krisenhilfe OÖ unterstützt in allen psychischen Notsituationen – rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr unter der Telefonnummer 0732 / 21 77.

Alle Infos unter krisenhilfeooe.at.

Frauen greifen öfter zum Hörer

Rund 67 Prozent der Kontakte (telefonisch und persönlich) kommen von Frauen, etwa 30 Prozent von Männern, der Rest ist unbekannt. "Über alle Zahlen drübergelegt sind es rund zwei Drittel weiblich", sagt Sieper gegenüber "Heute". Dieses Verhältnis verändere sich "tatsächlich auch wenig". Der Grund liege oft nicht in der konkreten Situation, sondern im Umgang damit.

Viele Frauen hätten früher gelernt, über Gefühle zu sprechen, sie einzuordnen – und sich Hilfe zu holen, wenn es zu viel wird. Männer würden dagegen häufiger noch mit klassischen Rollenbildern ringen: "Sie haben oft den Anspruch an sich selbst: Ich muss der Starke sein, ich muss das irgendwie durchdrücken", so Sieper.

Dazu kommt: "Über Gefühle sprechen haben sehr viele Männer weniger gelernt als Frauen." Und ohne Worte für das, was in einem los ist, wird Hilfe holen schwer. "Sich damit zu beschäftigen – bin ich eigentlich traurig?" sei für viele ungewohnt, erklärt Sieper.

Junge brechen Tabus

In der jüngeren Generation sieht sie aber Bewegung: Junge Erwachsene Mitte 20 würden offener über Überforderung sprechen, das Stigma sei kleiner – unabhängig vom Geschlecht. "Diese Tabus aufzulösen – da sind uns die Jungen voraus", sagt Sieper, "im positivsten Sinn".

Damit sich auch Männer früher Hilfe holen, brauche es mehr Prävention: Schon für die Kleinsten gebe es mittlerweile sehr gute Programme in Schulen. Dort werde darüber gesprochen, "dass es für Jungs genauso wichtig ist zu wissen, dass sie traurig sein dürfen", betont Sieper. Spezialisierte Angebote wie der Männernotruf würden zusätzlich helfen, "weil es manchen leichter fällt, von Mann zu Mann zu sprechen".

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