Raketenalarm statt Heimflug: Eine 48-jährige Oberösterreicherin aus Leonding sitzt derzeit in Dubai (VAE) fest – mitten im Krisengebiet. Sirenen, Drohnen und unterbrochener Flugverkehr bestimmen ihren Alltag. Statt Urlaub erlebt sie seit Tagen Ausnahmezustand.
"Wenn man das Dröhnen hört und spürt, wie die Erde bebt, dann ist das etwas ganz anderes", erzählt sie gegenüber "Heute". Ihr Rückflug wurde gestrichen, neue Verbindungen fallen ständig aus. Die Urlauberin fühlt sich von Österreich und den Behörden im Stich gelassen – hofft, dass ihre Heimkehr endlich klappen wird.
Die militärische Lage im Nahen Osten beschäftigt seit Tagen die internationalen Schlagzeilen. Nach Angriffen auf iranische Ziele kam es zu Vergeltungsschlägen mit Raketen und Drohnen. Mehrere Staaten meldeten Alarm, auch der internationale Flugverkehr wird immer wieder unterbrochen. Was viele nur aus den Nachrichten kennen, erlebt die Oberösterreicherin derzeit hautnah vor Ort.
"Wenn man die Raketen, Drohnen, Jets und die Flugabwehr nicht selbst erlebt, das Dröhnen nicht hört und nicht spürt, wie die Erde bebt, dann redet es sich leicht", erzählt sie im Gespräch mit "Heute". "Hier spürt man sogar die Druckwelle."Kontakt mit der Oberösterreicherin war ausschließlich über WhatsApp möglich. Telefonate aus Dubai waren derzeit nicht möglich. Kontakt mit der Oberösterreicherin war ausschließlich über WhatsApp möglich. Telefonate aus Dubai waren derzeit nicht möglich.
Sobald Sirenen in Dubai heulen, müssen die Gäste ihres Hotels sofort in den Schutzraum im zweiten Untergeschoss der Tiefgarage. Dort warten die Menschen zwischen Autos und Betonpfeilern, bis schließlich Entwarnung gegeben wird. "Bei Alarm sind wir unten, bis die Entwarnung kommt", erzählt sie.
In ihrem Hotel sei die Situation immerhin halbwegs organisiert. "Wir haben Betten, Sonnenliegen, Polster, Decken, WC, Trinkwasser, Lüftungsgeräte und Internet." In vielen anderen Hotels sehe es deutlich schlechter aus. "Dort liegen die Leute einfach am Boden in der Tiefgarage."
Eigentlich hätte die Oberösterreicherin längst wieder zuhause sein sollen. Doch ihr ursprünglich gebuchter Rückflug wurde gestrichen. Seitdem versucht sie verzweifelt, einen freien Platz in einem Flugzeug zu bekommen. "Ich hab natürlich selber einen Rückflug gebucht. Der wurde storniert und umgebucht." Die letzten Tage habe sie versucht, einen Check-in für einen Flug nach Prag zu machen – ohne Erfolg. Erst ihrem Mann in Österreich gelang schließlich online der entscheidende Schritt.
Der Flug soll am demnächst von Dubai nach Prag gehen. Doch selbst dieser ist alles andere als sicher. "Heute gab es schon wieder Alarm und eine Drohnenattacke auf den Flughafen Dubai", erzählt sie. Der Flugbetrieb sei zwar nach einer kurzen Unterbrechung wieder aufgenommen worden, doch sicher sei derzeit nichts. Mehr bleibt ihr momentan nicht übrig, als zu hoffen. "Hoffen wir das Beste für morgen."
Besonders frustriert ist die Urlauberin über die Kommunikation der österreichischen Behörden. Sie ist beim Außenministerium registriert und bekommt Sicherheitsupdates, doch konkrete Unterstützung habe sie kaum erlebt. "Es hat geheißen, sie werden den Bedarf erheben", erzählt sie. Stattdessen habe sie eine E-Mail bekommen, die sie sprachlos gemacht habe. "Im Prinzip steht da nur: kümmert euch selbst um kommerzielle Flüge."
Für die 48-Jährige ist das schwer nachvollziehbar. "Wir haben hier alle kommerzielle Flüge gebucht – manche sogar bis zu drei -, nur um schnell wegzukommen", erzählt sie. Dabei betont sie auch: "Ich brauche keinen kostenlosen Heimflug."
Was sie sich erwartet hätte, sei zumindest Unterstützung und klare Informationen. Ihr Urteil fällt entsprechend hart aus: "Für mich ist das eine bodenlose Frechheit." Noch hofft die Oberösterreicherin, dass ihr Flug nach Prag tatsächlich bald starten kann. Bis dahin bleibt ihr nur eines: warten – und hoffen, endlich wieder nach Hause zu kommen.
Das Außenministerium verweist auf laufende Rückholaktionen aus der Region. "Bis heute konnten wir knapp 1.200 Ausreisen mit Bussen und gecharterten Flugzeugen unterstützen – erst gestern aus Abu Dhabi: 244 Personen", heißt es auf "Heute"-Anfrage. Zudem arbeite man eng mit anderen EU-Ländern zusammen. "Über 60 Österreicherinnen und Österreicher konnten auf diesem Weg bei der Ausreise unterstützt werden."
Auch kommerzielle Flüge würden wieder zunehmen. "Es gibt zunehmend Linienflüge nach Österreich und Europa, die jedenfalls genutzt werden sollten, etwa Flüge aus Dubai nach Wien oder Salzburg", so das Ministerium. Betroffene seien angehalten, ihre Reiseveranstalter oder Fluglinien direkt zu kontaktieren. Gleichzeitig stehe man mit den verbleibenden Personen weiterhin in Kontakt. "Wir bemühen uns, ihnen so rasch wie möglich eine Ausreise über Flüge unserer EU-Partner aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zu ermöglichen." Betroffene werden ersucht, direkt mit den österreichischen Botschaften Kontakt aufzunehmen.