Eine blonde Influencerin, die in den USA für Aufregung sorgte, war in Wahrheit nur eine Kunstfigur aus dem Computer: Emily Hart gab es nie wirklich. Dahinter steckte ein 22-jähriger Student aus Indien, der mit der KI-generierten Frau gezielt Männer in den USA ansprach – und damit ordentlich Geld für sein Studium machte.
Emily Hart präsentierte sich als überzeugte Trump-Anhängerin und sammelte mit konservativen Inhalten eine große Fangemeinde. Die angebliche Krankenschwester zeigte sich im Bikini, beim Eisfischen, mit Bier in der Hand und sogar mit Waffen. Doch laut dem Computermagazin "Wired" war alles nur ein Schwindel – die Bilder und Videos stammten aus einer KI.
Wie "20 Minuten" berichtet, nannte sich der Student aus Angst um sein Medizinstudium "Sam". Er verwendete moderne KI-Programme, um Emily Hart zu erschaffen. Das Aussehen lehnte er an Hollywood-Star Jennifer Lawrence an – blond, sportlich, sympathisch. Die Geschichte: Emily sei eine junge Krankenschwester mit starken, konservativen Ansichten.
Sam startete mit einfachen Bikini-Fotos. Doch dann suchte er gezielt nach Tipps und ließ sich von Googles KI Gemini Strategien für einen erfolgreichen Social-Media-Auftritt vorschlagen. Die KI riet ihm, ältere Männer in den USA anzusprechen – eine Zielgruppe, die als besonders treu und zahlungskräftig gilt.
Also veröffentlichte Sam täglich Inhalte, die genau diese Männer ansprachen: Christentum, Waffenliebe, Abtreibungsgegner, Anti-Einwanderung – alles Themen, die bei konservativen Amerikanern gut ankommen. "Ich investierte vielleicht 30 bis 50 Minuten pro Tag und verdiente als Medizinstudent gutes Geld. In Indien verdient man selbst in qualifizierten Berufen nicht so viel. Ich kenne keinen einfacheren Weg, online Geld zu verdienen", sagte er gegenüber "Wired".
Laut Sam spülte ihm das Ganze mehrere Tausend Dollar im Monat aufs Konto. "Jedes meiner Videos erreichte drei, fünf oder sogar zehn Millionen Aufrufe. Der Algorithmus lief hervorragend. Innerhalb eines Monats hatte Emily Hart über 10.000 Instagram-Follower, von denen viele auch ihre KI-generierten Softcore-Inhalte auf einer Onlyfans-ähnlichen Plattform abonnierten", so Sam.
In einer späteren Phase setzte er zusätzlich auf die KI-Software Grok von X, um noch explizitere Bilder zu basteln. Diese stellte er auf Fanvue online, wo Fans gegen Bezahlung exklusive Inhalte erhalten und mit Creatorn schreiben können. "Im Grunde habe ich kaum etwas getan – und plötzlich hatte ich viel Geld", sagte er.
Das Instagram-Profil von Emily Hart wurde bereits im Februar wegen Betrugsverdachts gesperrt. Nach dem Geständnis von Sam verschwand auch das Facebook-Konto der Fake-Influencerin.