Bitpanda hat bereits Ende März in Wien den Start einer Blockchain-Plattform angekündigt. Mit der Vision Chain will das Unternehmen gemeinsam mit der Vision Web3 Foundation und dem Technologieanbieter Optimism eine Infrastruktur schaffen, die klassische Finanzwelt und digitale Vermögenswerte enger miteinander verbinden soll. Im Mittelpunkt steht der Versuch, ein Problem zu lösen, das laut den Beteiligten seit Jahren besteht.
Europäische Banken und Finanzdienstleister arbeiten demnach häufig noch mit geschlossenen Systemen, in denen digitale Vermögenswerte nur eingeschränkt genutzt werden können. Genau hier soll die neue Blockchain ansetzen. Sie soll eine standardisierte technische Umgebung bieten, in der sogenannte tokenisierte Vermögenswerte nicht nur in Pilotprojekten getestet, sondern auch im größeren Maßstab eingesetzt werden können.
Die Vision Chain ist so aufgebaut, dass sie sich an geltende europäische Regeln hält. Laut Angaben von Bitpanda orientiert sich das System an der EU-Verordnung MiCAR sowie an MiFID II. Auch Anforderungen aus dem Bereich digitaler Betriebssicherheit, etwa aus dem DORA-Regelwerk, sollen berücksichtigt werden. Für Finanzinstitute bedeutet das laut Bitpanda, dass sie digitale Assets in einem regulierten Rahmen ausgeben und abwickeln können.
Ein weiterer Punkt ist die technische Struktur. Die Blockchain basiert auf dem sogenannten Optimism Tech Stack. Dadurch sollen nicht nur Skalierbarkeit und Stabilität gewährleistet werden, sondern auch die Anbindung an bestehende Blockchain-Ökosysteme möglich sein. Ergänzend wird darauf hingewiesen, dass sämtliche Gebühren im Netzwerk über Euro-Stablecoins abgewickelt werden sollen, um starke Kursschwankungen zu vermeiden.
Finanziell spielt der Vision Token, kurz VSN, eine zentrale Rolle. Dieser wird von der Vision Web3 Foundation herausgegeben. Ein Teil der Einnahmen aus dem Netzwerk soll laut Konzept dafür verwendet werden, Tokens zurückzukaufen und anschließend aus dem Umlauf zu nehmen. Damit soll das System stabilisiert werden und die Entwicklung des Netzwerks stärker mit der Nutzung verknüpft sein.
Bitpanda-CEO Lukas Enzersdorfer-Konrad spricht in diesem Zusammenhang davon, dass sich die Finanzwelt langfristig stark verändern werde. Er meint, dass sich die Frage nicht mehr stelle, ob Vermögenswerte digital werden, sondern wann. Die Infrastruktur habe in Europa bisher jedoch gefehlt, um diesen Wandel vollständig umzusetzen. Auch von Seiten der Vision Web3 Foundation wird der Schritt als wichtiger Meilenstein beschrieben.
Dort heißt es, man wolle eine offene und langfristig tragfähige Infrastruktur für Finanzanwendungen auf der Blockchain schaffen. Der Technologiepartner Optimism hebt hervor, dass mit dem OP Enterprise Ansatz eine Lösung angeboten werde, bei der Unternehmen sich nicht mehr selbst um den kompletten technischen Betrieb einer Blockchain kümmern müssen. Stattdessen sollen sie sich auf Anwendungen und Produkte konzentrieren können.
Bitpanda verweist zudem auf seine bereits bestehende Nutzerbasis. Mehr als sieben Millionen Menschen nutzen die Plattform bereits. Angeboten werden dort nach Eigenangaben unter anderem mehr als 650 Kryptowährungen, neun Indizes, vier Edelmetalle sowie über 10.000 Aktien, ETFs und ETCs. Mit der neuen Infrastruktur soll nun auch der Zugang zu weiteren digitalen Finanzprodukten erleichtert werden.