Am 10. Juli spielten sich auf einem Flug von Thessaloniki nach Memmingen (Bayern) schreckliche Szenen ab. Teile des Triebwerkes der Ryanair-Maschine trafen ein Kabinenfenster, welches dadurch zerbrach.
In weiterer Folge wurde ein Serbe (61) in etwa 4.500 Metern Höhe beinahe komplett aus dem Flieger gesaugt. Der Mann hing bei rund 600 Kilometern pro Stunde mit Kopf und dem rechten Arm außerhalb der Maschine. Der 61-Jährige wurde dadurch schwer verletzt und habe psychische Schäden davongetragen. Nur weil er angeschnallt war, sei der Serbe mit dem Leben davongekommen.
Nun könnte der schreckliche Vorfall ein rechtliches Nachspiel haben – eine Klage wird vorbereitet. Ein griechischer Anwalt hat sich der Causa angenommen und vertritt den 61-Jährigen sowie 35 weitere Passagiere. Auch sie hätten an jenem Tag "dem Tod ins Auge" geschaut, sagte der Jurist zur "Bild".
Einem Bericht der US-Behörde NTSB (National Transportation Safety Board) zufolge soll eine Triebwerksschaufel abgebrochen sein. Die Teile davon hätten den Rumpf der Maschine und das Fenster beschädigt. Des Weiteren wurden im Triebwerk Vogelreste entdeckt. Der Anwalt, der mit einer auf Luftfahrtrecht spezialisierten US-Kanzlei aus New York zusammenarbeitet, gehe jedoch nicht davon aus, dass die Vögel alleine schuld an dem Unfall sind.
Die betroffene Boeing 737-800 soll 18 Jahre alt sein. Es ist unklar, ob sie in entsprechenden Intervallen gewartet wurde und ob Materialermüdung an der Triebwerksschaufel eine Rolle gespielt haben könnte. Seitens Ryanair wollte man gegenüber der "Bild" keine Stellungnahme abgeben, bis die NTSB-Untersuchung abgeschlossen sei.
Die nunmehrige Schadenersatzklage könnte sich auf eine zweistellige Millionenhöhe belaufen. Unklar sei, ob der Anwalt gegen Ryanair, Boeing, die Wartungsunternehmen oder den Triebwerkshersteller vorgehen werde. Auch mehrere Unternehmen könnten sich mit einer Klage konfrontiert sehen, so der Jurist. Zunächst wolle man den Abschlussbericht der Experten abwarten.
Besonders stößt sich der Anwalt an Aussagen, die Ryanair-Chef Michael O’Leary im Podcast "The Travel Expert" getätigt hatte. Demnach sei der serbische Passagier nicht teilweise aus dem Flugzeug gesaugt worden. Diese Darstellung empfinde der Jurist als "lächerlich". Etwa 70 Personen hätten den Vorfall beobachtet.