Nach einer wilden Partynacht im U4 Ende Februar begleitete eine junge Wienerin einen um deutlich älteren Inder in dessen schmuddeliges WG-Zimmer in einem Studentenheim in Favoriten. Am nächsten Morgen soll der 29-Jährige, der sich im Netz als Männermodel ausgibt, die noch vom Vortag beeinträchtigte Frau im Bett gegen ihren Willen berührt, bedrängt und schließlich vergewaltigt haben.
Nachdem das Mädchen, das zuvor noch keinerlei sexuelle Erfahrungen gesammelt hatte, ihrem Vater von der Horror-Nacht erzählte, wurde umgehend Anzeige erstattet. Seither ermittelt die Polizei intensiv und Star-Anwalt Philipp Wolm übernahm die Opfervertretung. Zeugenaussagen, DNA-Gutachten und medizinische Unterlagen stützten ihre Aussage.
Dennoch gelang es dem Verdächtigen, sich während des Ermittlungsverfahrens in seine Heimat abzusetzen. Aus Indien erreichte die Ermittler jetzt ein brisantes Schriftstück, das an Dreistigkeit kaum zu überbieten ist. Darin teilte der mutmaßlich übergriffige Langzeitstudent mit, dass er derzeit seine Familie besucht, nach seiner Ankunft aber leider psychisch schwer erkrankt sei.
"Der Umstand, dass er wegen eines Kapitalverbrechens trotz seiner völligen Unschuld strafrechtlich verfolgt wird, hat ihn massiv geschockt und psychisch total aus der Bahn geworfen", hieß es darin. Er wäre daher nicht reisefähig und könne sich gar nicht stellen.
Ob das der Wahrheit entspricht, sei dahingestellt. Immerhin versprach der Inder eine nachträgliche Übermittlung psychiatrischer Befunde. Doch selbst bei einer Einreise nach Österreich würden dem Studenten derzeit keine Konsequenzen drohen. Die Justiz hielt einen Haftbefehl (noch) nicht für notwendig. Die Unschuldsvermutung gilt.