Ex-Architekt als Stalker

Mann schickt Nacktfotos, um sich umfassend vorzustellen

Ein Ex-Architekt (61) soll zwei Jahre lang eine Wiener Galeristin gestalkt haben. Warum er Nacktfotos teilte? "Ich wollte mich umfassend vorstellen."
Christian Tomsits
09.07.2026, 22:04
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Mit einer skurrilen Erklärung sorgte ein ehemaliger Architekt (61) am Mittwoch im Wiener Landesgericht für Kopfschütteln. Der Bezieher einer Invalidenpension soll eine junge Wiener Galeristin über zwei Jahre gestalkt haben. Laut Anklage tauchte der Mann ab Ende 2023 zunächst wöchentlich, später fast täglich in der Galerie auf, wollte mit der Chefin ins Gespräch. "Zuerst damit sie meine emotionale Kunst anschaut, dann wollte ich eine Beziehung zu ihr – aber sie leider nicht", erklärte er stotternd.

Hinzu kamen rund 180 E-Mails, Anrufe, SMS und Nachrichten mit teils sexuellem Inhalt. "Das hört sich immer so wild an, aber ich habe ja nur einzelne Sätze geschrieben. Wenn man es zusammenfügt, waren es vielleicht zwei DinA4-Seiten", relativierte er, wirkte verwirrt. Laut Psychiater leidet er an wahnhaften Störungen und einer paranoiden Schizophrenie, zeigt keinerlei Krankheitseinsicht.

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Selbst die bekannte Fake-Nachricht mit "Hallo Papa" hielt der seit Dezember in U-Haft Befindliche für einen Kontaktversuch der Galeristin und den unumstößlichen Beweis, dass auch sie sich mit ihm eine Familie wünschte. Eine Abwesenheitsnotiz am Eingangstor der Galerie mit ihrer Telefonnummer missinterpretierte der studierte Diplomingenieur als heimlichen Liebesbeweis der Frau und als Aufforderung, ihr nun auch am Handy zu schreiben.

"Warum hat sie denn nie zurückgeschrieben?", wollte der Richter wissen. "Weil sie nur daran interessiert war, was ich schreibe", so der Stalking-Verdächtige. Eine zitternde Zeugin sah das anders. "Es war sehr unangenehm für uns alle", brachte die Galerie-Mitarbeiterin heraus – besonders eine E-Mail, bei dem er alle Frauen in der Galerie zum Sex aufforderte.

Selbst ein Hausverbot und die Polizei konnten den emsigen Ex-Architekten nicht stoppen. Kurios war seine Begründung, wieso er ihr auch Nacktfotos verschickte. "Ich wollte mich eben umfassend bei ihr vorstellen", so der 61-Jährige. Die Staatsanwaltschaft forderte die Einweisung. Für die Anhörung der Galeristin wurde die Verhandlung vertagt. Die Unschuldsvermutung gilt.

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