Bisher lief die Saison für Verstappen noch nicht nach Wunsch. In Australien holte der Red-Bull-Star zwar noch einen respektablen sechsten Platz, in China schied der Vierfach-Weltmeister aber aus. Darüber hinaus hat der Niederländer mehrfach betont, keinen Spaß mit dem neuen Regelwerk in der Motorsport-"Königsklasse" zu haben. Er kritisierte die Rennserie als "Forme E auf Steroiden", sprach von "Mario Kart", weil es jetzt einen Boost-Knopf gibt. In der Formel 1 kommt nun rund die Hälfte der Leistung vom Elektromotor, die Batterie davon muss aber aufgeladen werden. Das geschieht unter anderem dadurch, dass die Formel-1-Asse auf Geraden vom Gas gehen oder frühzeitig bremsen.
All das passt dem "Vollgas-Fahrer" Verstappen nicht. Der sucht nun das Motorsport-Spektakel abseits der Formel 1, beim Langstreckenrennen auf der Nordschleife. Verstappen wird am kommenden Wochenende einen Lauf der Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS) in einem GT3-Auto bestreiten – die Voraussetzung, um bei den 24 Stunden am Nürburgring (16. und 17. Mai) auch an den Start gehen zu dürfen. Verstappen hatte sich schon letztes Jahr die Erlaubnis von seinem Red-Bull-Team geholt, um an GT3-Rennen teilzunehmen, das Permit auf der berüchtigten Nordschleife zu machen.
Die berüchtigte Nordschleife hat es Verstappen angetan, deshalb überrascht es auch nicht, dass der Niederländer ganz andere Pläne in der "Grünen Hölle" hatte, die aber der mittlerweile in die Pension geschickte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko stoppte. Verstappen, damals noch amtierender Weltmeister, wollte nämlich mit einem Formel-1-Boliden einige Demorunden auf der Nordschleife fahren. "Das war nicht erlaubt, sonst hätte ich es gemacht", enthüllte der Niederländer selbst zuletzt in China.
Was Verstappen damit meint: Marko schob dem Plan einen Riegel vor. "Schon vor Jahren schwärmte Max mir von der Nordschleife vor. Er wollte damals einen Demorun mit einem Formel-1-Red-Bull abhalten, aber bei mir gingen damals alle Alarmglocken an", schilderte der ehemalige Bullen-Boss bei "F1 Insider". Die berüchtigte Rennstrecke gilt als zu gefährlich für die pfeilschnellen Formel-1-Autos. Seit dem Großen Preis 1976, in dem Niki Lauda seinen Feuerunfall hatte, wurde in der "Grünen Hölle" kein Formel-1-Rennen mehr bestritten.
Marko erklärte nun, warum er sich so querlegte: "Von wegen Demorun. Max hatte das irre Video gesehen, als Timo Bernhard mit einem Le-Mans-Porsche den Rundenrekord knackte. Ich glaube, das wollte er mit dem Red Bull nochmal toppen", mutmaßt der Grazer. Der Niederländer hätte sich laut Marko also einen Platz in den Motorsport-Geschichtsbüchern sichern, die schnellste Runde aller Zeiten auf dem berüchtigten Kurs drehen wollen.
"Das war für mich zu gefährlich, deshalb habe ich da einen Riegel vorgeschoben und es verboten", so der 82-Jährige. Vom Plan des Vierfach-Weltmeisters, mit einem GT3-Auto zu fahren, ist Marko jedenfalls deutlich begeisterter. "Zum Glück kann er sich jetzt austoben." Trotzdem, so ist Marko sicher, werde Verstappen den Rundenrekord weiter im Auge haben.