Der Grand Prix von China war ein Rennen zum Vergessen für Verstappen. Im Qualifying nur auf Rang acht gefahren und damit meilenweit von den Top-Teams Mercedes und Ferrari entfernt, schied der Vierfach-Weltmeister im Großen Preis am vergangenen Sonntag gar aus. Mit nur acht Pünktchen auf dem Konto ist Verstappen aktuell in der Fahrer-Weltmeisterschaft ernüchternder Achter. Schlimmer als das: Sein RB22 scheint große Probleme zu haben.
"Max steckt in einer Horror-Show. Wenn man sich die On-Board-Aufnahmen vom Qualifying ansieht, ist es einfach nur grauenhaft zu fahren. Bei vielen anderen Teams ist das nicht der Fall", meinte Mercedes-Teamchef Toto Wolff, der nach dem zweiten Doppelsieg der "Silberpfeile" im zweiten Grand Prix gut Lachen hat. Im neuen Formel-1-Reglement kommt rund die Hälfte der Energie mittels Elektro-Motor, Fahrer müssen früher vom Gas gehen, um die Batterie rechtzeitig aufzuladen. Das passt nicht zum kompromisslosen Fahrstil des Niederländers.
"Seht euch die Rennen an. Wir überholen mit Boost-Knopf, dann ist die Batterie leer. Auf der Gegengeraden überholen sie uns dann mit dem Boost-Knopf. Das ist doch ein Witz", kritisierte Verstappen nach seiner Renn-Enttäuschung in Shanghai. Der Niederländer hatte zuvor bereits von "Formel E auf Steroiden" und von "Anti-Racing" gesprochen. Das Frustpotenzial des Vierfach-Weltmeisters steigt jedenfalls.
"Aus Sicht der Unterhaltung war das Duell zwischen Mercedes und Ferrari meiner Meinung nach ein gutes Rennen mit vielen Überholmanövern. Wir haben die Formel 1 noch miterlebt, als es im wahrsten Sinne des Wortes keine Überholmanöver gab. Wir sind manchmal zu nostalgisch, was die guten alten Zeiten angeht", meinte Mercedes-Teamchef Wolff derweil, betonte: "Das Produkt an sich ist gut, wir haben spannende Rennen gesehen."
Gleichzeitig könne Wolff den Verstappen-Frust verstehen. Piloten müssten mit der Energie haushalten. "Aus der Sicht von einem Fahrer wie Max, der immer Vollgas gibt, ist das schwer zu verkraften. Wenn man vor dem TV-Bildschirm sitzt, würde sogar Max sagen, dass das Rennen interessant war. Alle Daten zeigen, dass die Fans es lieben", ist der Wiener von den umfangreichen Regeländerungen überzeugt.
Ein Nachteil des Reglements sei, dass die Rennfahrer sogar über eine Qualifying-Runde die Energie managen müssen. "Ein Vollgas-Qualifying wäre schön. Aber wenn man sich die Begeisterung live vor Ort ansieht, den Jubel der Fans bei Überholmanövern oder die Reaktionen in sozialen Netzwerken, dann ist klar: die jüngeren Fans, der überwiegende Großteil der Altersgruppe, findet diesen Sport großartig", ist Wolff überzeugt.