Die im Zuge der Proteste gegen die staatliche Führung verhängte Internetsperre im Iran hält auch nach zweieinhalb Tagen weiter an. Auslöser war die bislang größte Demonstrationswelle seit Beginn der Proteste, die sich in der Nacht auf Freitag entlud. In mehreren Städten machten Demonstrierende ihrem Unmut über die religiöse und politische Führung lautstark Luft. Als Reaktion darauf kappte die Regierung landesweit den Internetzugang, dennoch kam es auch in den folgenden Nächten zu weiteren Kundgebungen.
Laut Angaben von Aktivisten wurden dabei bisher mindestens 538 Menschen getötet, darunter 490 Demonstranten und 48 Angehörige der Sicherheitskräfte. Zudem seien mehr als 10.600 Personen festgenommen worden, berichtete die in den USA ansässige Human Rights Activists News Agency (HRANA) am Sonntag.
Am Sonntagabend war dazu Iran-Expertin Solmaz Khorsand in der ZiB-2 bei Margit Laufer zu Gast, sprach über die blutigen Proteste in 185 iranischen Städten. "Ein Großteil der Iraner leben im Panikmodus. Man muss davon ausgehen, dass in diesem Blackout-Modus tausende Menschen ermordet worden sind", zeigt sich Khorsand geschockt. Im Süden Teherans seien die Leichenhäuser voll. "Es hat ein Massaker stattgefunden", so die Expertin weiter.
"Weil man die Brutalität des Regimes kennt, ist die Stimmung noch viel aufgeheizter", erklärt Khorsand. Kräfte der Revolutionsgarde würden gezielt in die Köpfe und Herzen der Protestierenden schießen. Nach jüngsten Berichten iranischer Ärzte sei sogar mit zehntausend Toten zu rechnen.
Aus ihrer Sicht sei es durchaus vorstellbar, dass nun die USA in die Proteste im Iran eingreifen werden. "Auch Trump sieht die Leichensäcke", so Khorsand weiter. Das iranische Regime hat bereits mögliche Gegenschläge für ausländische Interventionen angekündigt. "Je mehr sich die iranische Führung in die Ecke gedrängt fühlt, desto wahrscheinlicher sind solche Gegenschläge".
In den nächsten Tagen rechnet die Autorin mit "noch mehr Brutalität und Ermordungen". "Es werden sehr dunkle Tage für die iranische Bevölkerung", so Khorsand abschließend.