Konkret streicht das Unternehmen an den Standorten Kindberg und Mürzzuschlag insgesamt 340 Jobs - 280 fixe Stellen und 60 Leiharbeitsplätze, wie Konzernchef Herbert Eibensteiner am Mittwoch in einer Pressekonferenz bekanntgab.
Das Werk Voestalpine-Böhler Bleche in Mürzzuschlag, das rund 450 Beschäftigte zählt, stand seit September auf dem Prüfstand. Wegen mangelnder Auslastung wurde sogar eine Schließung diskutiert. Nun steht fest: Das Werk bleibt – aber die Belegschaft wird deutlich reduziert.
"Der Standort Mürzzuschlag bleibt erhalten, allerdings sind größere Einschnitte unvermeidlich: Die nun zur Umsetzung vorgesehene Variante sieht eine Bereinigung des Produktportfolios, eine Schwerpunktsetzung im Bereich der Spezialprodukte sowie strukturelle Maßnahmen vor. Damit können rund drei Viertel der Belegschaft weiter beschäftigt werden", sagte Eibensteiner bei der Präsentation der Halbjahresbilanz 2025/26.
Ein Viertel der Mitarbeiter verliert also den Job. "Wir müssen uns dort neu aufstellen", betonte Eibensteiner. Der Standort werde künftig auf Spezialprodukte fokussiert und das Portfolio verschlankt, berichtet "Kleine Zeitung".
Auch beim Werk Voestalpine Tubulars in Kindberg, das rund 1.150 Beschäftigte zählt, wird gespart. Aufgrund der anhaltend hohen US-Zölle von 50 Prozent auf Stahlprodukte muss das Unternehmen eine Schicht streichen – künftig wird nur noch in zwei statt drei Schichten gearbeitet. Eibensteiner hatte bereits im August gewarnt, dass die US-Zölle das Werk massiv treffen könnten. Diese Sorge hat sich nun bestätigt. Die Folge: Ein erheblicher Personalabbau.
Laut Voestalpine führt die Kombination aus hohen Energie- und Arbeitskosten sowie fehlender EU-Quotenregelung zu zusätzlichen Belastungen. Von der EU-Kommission angekündigte Gegenmaßnahmen seien bisher "nicht mehr als eine Ankündigung" geblieben, heißt es aus dem Unternehmen.
Die Kündigungen werden im November beim AMS gemeldet. Der Konzern betont, man sei sich seiner Verantwortung als Arbeitgeber bewusst und werde in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat einen Sozialplan erarbeiten.
"Dort, wo es möglich ist, wird die Voestalpine versuchen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Perspektiven an anderen Standorten anzubieten. Auch die Stahlstiftung unterstützt bei der Jobsuche und hilft bei der Weiterentwicklung von persönlichen und fachlichen Qualifikationen", so das Unternehmen.
Voestalpine Böhler Bleche ist Teil der High Performance Metals Division der Voestalpine mit Sitz in Mürzzuschlag. Im Geschäftsjahr 2024/25 erzielte das Werk einen Umsatz von 138 Millionen Euro.
Bei Voestalpine Tubulars in Kindberg werden nahtlose Stahlrohre und Gewindeverbindungen für die Öl- und Gasindustrie produziert – ebenso Rohre für Nutzfahrzeuge, Tunnelanker oder Drucksysteme. Zudem bietet das Werk Lösungen für Geothermie und Wasserstofftechnologien an.
Mit den aktuellen Entscheidungen versucht die Voestalpine, auf den internationalen Wettbewerbsdruck zu reagieren – doch für viele Beschäftigte in der Steiermark bedeutet das nun den Verlust ihrer Existenzgrundlage.