Energieversorger müssen ihre Kunden einmal im Jahr schriftlich über ihre aktuellen Produkte und gegebenenfalls günstigere Haustarife informieren. Viele Verbraucher gehen deshalb davon aus, dass sie ohnehin bereits das beste Angebot nutzen. Eine aktuelle Analyse von tarife.at zeigt jedoch, dass diese gesetzliche Informationspflicht in der Praxis nicht vor deutlich überhöhten Energiekosten schützt – und Kunden vor allem verwirrt.
Denn – die vom Gesetzgeber vorgeschriebene jährlichen Tarifinformationen erwecke laut dem Vergleichsportal bei vielen Haushalten mitunter den Eindruck, sie würden bereits den günstigsten verfügbaren Tarif nutzen. Tatsächlich würden aber nur die Produkte des eigenen Unternehmens dargestellt – günstigere Alternativen am Gesamtmarkt blieben unerwähnt.
Um wie viel Geld es dabei im Schnitt geht, hat tarife.at am Beispiel einer vierköpfigen Musterfamilie mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh Strom und 12.000 kWh Gas errechnet. Verglichen wurde der als "günstigster Tarif" bezeichnete Strom- und Gasvertrag eines Landesenergieversorgers im Osten Österreichs mit dem jeweils günstigsten Angebot am Markt (Preisstand: 07.11.2025).
Das Ergebnis fällt deutlich aus: Beim Strom zahlt der Beispielhaushalt 226 Euro pro Jahr mehr als beim Bestbieter, beim Gas sogar 356 Euro. In Summe kommt die Familie damit auf 582 Euro Mehrkosten pro Jahr im Vergleich zu den günstigsten Alternativanbietern.
"Viele Menschen glauben, durch die jährliche Tarifinformation ihres Energieversorgers ohnehin das beste Angebot zu nutzen. In Wahrheit wird aber nur über die Angebote des eigenen Unternehmens informiert – nicht aber über günstigere Alternativen am Gesamtmarkt", warnt Maximilian Schirmer, Geschäftsführer von tarife.at. Markentreue zahle sich aus diesem Grund bei Energie üblicherweise nicht aus.
Auch wenn die gesetzlichen Informationspflichten mehr Transparenz schaffen sollen, sei ein Energietarifvergleich auf eigene Faust über Anbieter hinweg entscheidend, schreibt die Plattform in einer Aussendung. Und: In vielen Fällen liege die Preisdifferenzen zwischen Landes- und Alternativanbietern im zweistelligen Prozentbereich.
Gerade jetzt zu Beginn der Heizsaison lohne es sich laut Schirmer, die eigenen Energietarife zu prüfen. Ein Anbieterwechsel würde nur Minuten dauern und sofort das Budget entlasten.