Der Oktober steht in der katholischen Kirche traditionell im Zeichen des Weltmissions-Monats. Seit mittlerweile 100 Jahren wird dabei im Auftrag des Papstes weltweit für besonders arme Diözesen gesammelt. Das Geld soll kirchliche, soziale und humanitäre Projekte ermöglichen.
Im Jubiläumsjahr richtet Missio Österreich den Blick besonders auf Äthiopien. Im Norden des Landes, in Tigray, sorgt die Situation laut der Hilfsorganisation erneut für große Sorge. Zuletzt kam es wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Die Gefechte würden bei der Bevölkerung Erinnerungen an die schweren Konflikte der vergangenen Jahre wecken.
"Viele Familien haben in den Konflikten vor einigen Jahren geliebte Menschen verloren. Die Angst ist groß, dass die erneuten Gefechte noch mehr Opfer fordern könnten", berichtet Missio-Projektpartner Father Luan Trinh Khin. Armut, Dürren, Hunger, bewaffnete Konflikte und politische Instabilität verschärfen laut Missio die Lage zusätzlich. Besonders betroffen seien Menschen in ländlichen Regionen.
In Adwa in Tigray betreibt Father Luan eine Bäckerei, die binnenvertriebenen Frauen Arbeit und damit ein eigenes Einkommen ermöglichen soll. Viele von ihnen haben Krieg, Flucht und Gewalt erlebt. "Hilfe muss mehr sein als eine einmalige Unterstützung. Menschen sollen die Möglichkeit bekommen, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen", sagt Father Luan.
In der von Missio Österreich unterstützten Bäckerei werden nach Angaben der Organisation täglich rund 5.000 Laibe Brot hergestellt und an Binnenvertriebene verteilt. Gleichzeitig erhalten die beschäftigten Frauen die Möglichkeit, selbst Geld zu verdienen und ihre Kinder zu versorgen.
Zusätzlich werden in Dörfern der Region Seelsorge, Beratung sowie Aufklärungsprogramme über die Rechte von Mädchen und Frauen angeboten. Auch in Gode im Südosten Äthiopiens unterstützt Missio heuer ein Projekt für von Gewalt betroffene Frauen. Schwester Mary Joachim kümmert sich dort laut der Organisation um geflohene und zwangsverheiratete Frauen sowie deren Kinder.
Neben Schutz und Nahrung werden Berufsausbildungen angeboten. Einige der Frauen seien bereits als Kinder zwangsverheiratet worden. Durch eine Ausbildung sollen sie die Möglichkeit erhalten, künftig wirtschaftlich auf eigenen Beinen zu stehen.
Höhepunkt des Weltmissions-Monats ist der Weltmissions-Sonntag am 18. Oktober. Nach Angaben von Missio stehen rund 1.100 der weltweit etwa 2.500 Diözesen vor besonderen finanziellen Herausforderungen. Viele davon befinden sich in Afrika, Asien und Lateinamerika.
"Der Weltmissionssonntag ist eine der größten Solidaritätsaktionen der Welt", erklärt Missio-Nationaldirektor Johannes Laichner. Katholiken rund um den Globus würden damit zeigen: "Wir gehören zusammen und tragen Verantwortung füreinander." Mit den Spenden werden unter anderem Priester, Ordensschwestern und Laienmissionare sowie deren soziale und pastorale Arbeit unterstützt.
Auch in Wien wird das 100-jährige Bestehen begangen. Am Sonntag, 18. Oktober 2026, um 10.15 Uhr findet im Stephansdom die Festmesse zum Weltmissions-Sonntag statt. Gefeiert wird sie mit Weihbischof Franz Scharl.