"Was haben Pisse, Bier und Feminismus gemeinsam?" Mit dieser durchaus ungewöhnlichen Frage kündigen die Veranstalter ein eintägiges Bierfestival in Wien an. Unter dem Namen "Golden Shower – Aufs Patriarchat pinkeln" steigt am Samstag, 3. Oktober, beim Wiener Würstelstand an der U4-Station Spittelau ein Parallel-Oktoberfest.
Im Mittelpunkt steht ein Getränk, das schon vor dem ersten Schluck für Gesprächsstoff sorgt. Der Komposttoiletten-Anbieter Öklo bezeichnet "Golden Shower" als das "weltweit erste Bier aus Urin". Ganz so direkt ist die Sache allerdings nicht: Im fertigen Getränk befindet sich nicht einfach Urin. Dieser wurde in mehreren Schritten aufbereitet und daraus Wasser zurückgewonnen, das anschließend zum Brauen verwendet wurde.
Eineinhalb Jahre habe die Entwicklung und Umsetzung gedauert. "Wir haben es geschafft – mit 'Golden Shower' erblickt das weltweit erste Bier aus Urin das Licht der Welt!", meint Öklo-Gründer Niko Bogianzidis in einer Aussendung.
Gebraut wurde ein unfiltriertes Märzen – international als Lager bezeichnet – mit 4,8 Volumenprozent Alkohol. Insgesamt wurden laut Öklo 2.500 Flaschen zu je 0,33 Liter hergestellt. Der Preis soll bei 3,90 Euro beginnen. Regulär im Handel wird "Golden Shower" allerdings vorerst kaum zu finden sein. Einen Großteil der Flaschen will Öklo selbst verteilen, einen begrenzten Verkauf gibt es über die Online-Plattform der Bio-Brauerei Erzbräu.
Wer das ungewöhnliche Getränk selbst probieren möchte, bekommt dazu am Samstag, 3. Oktober, Gelegenheit. Ab 18 Uhr wird beim Wiener Würstelstand neben der U4-Station Spittelau "Golden Shower" ausgeschenkt. Dort wird auch ein Holzfass angestochen.
Neben Bier gibt es Live-Musik, DJs, Drag, Performances und Kunst. Unter dem Motto "Aufs Patriarchat pinkeln" wollen die Veranstalter einen nach ihrer Ansicht traditionell männlich geprägten kulturellen Raum neu besetzen.
Hinter dem provokanten Namen "Golden Shower" steckt aber auch ein Experiment zur Kreislaufwirtschaft. Ausgangspunkt war Urin, den Öklo in seinen Komposttoiletten gesammelt hatte. Zunächst wurde daraus laut Unternehmen Struvit gewonnen, das als Dünger eingesetzt werden kann. Anschließend wurde Stickstoff herausgefiltert. Das verbleibende Wasser wurde mittels Umkehrosmose und Destillation weiter aufbereitet.
Das Ergebnis sei von einem Ziviltechnikerbüro geprüft und als gesundheitlich unbedenklich sowie für den Brauvorgang geeignet beurteilt worden, so Öklo. Danach gingen rund 1.000 Liter des aufbereiteten Wassers an Bruckners Erzbräu im Mostviertel. Dort übernahm Bio-Braumeister Benjamin Bruckner. Weil destilliertes Wasser praktisch keine Mineralstoffe mehr enthält, wurde es für den Brauvorgang mit frischem Quellwasser ergänzt.
"Da destilliertes Wasser nicht wirklich lebt, haben wir die 1.000 Liter Wasser von Öklo sicherheitshalber mit zehn Prozent frischem Quellwasser im Tank angereichert, damit die Hefe als lebender Zellorganismus jedenfalls gut reagieren und arbeiten kann", erklärt Bruckner. Nach Überprüfung des pH-Werts wurde eingemaischt und das Getränk natürlich vergoren.
Dabei gibt es eine kuriose rechtliche Besonderheit: Öklo vermarktet "Golden Shower" zwar als Urin-Bier, laut Unternehmen darf das Getränk nach dem österreichischen Lebensmittelkodex allerdings nicht als Bier bezeichnet werden. Grund dafür sei das für die Herstellung verwendete Wasser. Deshalb handle es sich offiziell um ein "bierähnliches Hopfengetränk".
Das dürfte dem Marketing allerdings kaum schaden. Schon als Öklo das Projekt im Frühjahr 2025 ankündigte, sorgte die Idee international für Schlagzeilen. Nun ist aus der Ankündigung tatsächlich ein fertiges Getränk geworden.
Hinter dem Experiment steckt vor allem eine ökologische Botschaft. "Mein Ziel mit Öklo und eben auch unserem nun produzierten Urin-Bier 'Golden Shower' war und ist es, Bewusstsein für Wasserverschwendung zu schaffen und dieser im Sinne der Kreislaufwirtschaft entgegenzuwirken", erklärt Bogianzidis. Bei den ersten 2.500 Flaschen muss es indes nicht bleiben. Bogianzidis schließt weitere Chargen des ungewöhnlichen Getränks nicht aus.