Die Spannung in Reichersberg stieg von Stunde zu Stunde. Eigentlich galt das geplante Amazon-Projekt lange als durchaus realistisch. Doch unmittelbar vor der entscheidenden Abstimmung im Gemeinderat war plötzlich wieder alles offen.
Hinter den Kulissen wurde intensiv verhandelt, diskutiert und um Stimmen gerungen. Letztendlich scheiterte das umstrittene Vorhaben tatsächlich in letzter Sekunde.
Wichtig dabei: Dabei geht es nicht um die bereits bekannten Amazon-Pläne in Enns. Dort verfolgt der US-Konzern weiterhin eigene Ausbauprojekte. In Reichersberg stand hingegen ein separates Vorhaben zur Debatte – und genau darüber entschied nun der Gemeinderat.
In der Abstimmung votierten elf Gemeinderäte gegen Gespräche mit Amazon, acht Mandatare sprachen sich dafür aus. Hauptgrund für die Ablehnung waren Befürchtungen über zusätzliches Verkehrsaufkommen, so der ORF.
Bürgermeister Bernhard Öttl (ÖVP) erklärte nach der Sitzung, das Ergebnis sei für ihn bindend. Damit gilt das Projekt als beendet. Die Entscheidung könnte allerdings weitreichende Folgen für den Wirtschaftspark haben. Laut einem "OÖN"-Bericht der "Oberösterreichischen Nachrichten" soll dieser rund 16 Millionen Euro Schulden haben.
Das Projekt selbst hatte seit Monaten für heftige Diskussionen in der Gemeinde gesorgt. Die Befürworter argumentierten vor allem mit wirtschaftlichen Vorteilen. Neue Arbeitsplätze, zusätzliche Einnahmen und ein möglicher Aufschwung für den Standort werden als zentrale Argumente genannt. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sahen Unterstützer darin eine große Chance für die Region. 1.500 Jobs sollen entstehen.
Auf der anderen Seite wuchs aber auch der Widerstand. Kritiker befürchten deutlich mehr Verkehr rund um die Gemeinde, zusätzliche Belastungen für Anrainer und negative Auswirkungen auf kleinere Unternehmen. Auch der enorme Flächenverbrauch sorgt immer wieder für Diskussionen.