Im Speisesaal des Plachutta Wollzeile ist es noch still. In knapp einer Stunde wird hier das Mittagsgeschäft beginnen. Gläser und Besteck sind perfekt ausgerichtet, als würden sie auf ihren Einsatz warten. Zwischen sorgfältig gedeckten Tischen empfängt uns Christoph Plachutta.
Der 29-jährige Wiener ist in dritter Generation in die Geschäftsführung der Restaurantgruppe eingestiegen. Als Sohn von Mario Plachutta könnte er sich bequem auf dem Ruhm eines der bekanntesten Gastronomie-Namen Wiens ausruhen. Doch genau das ist nicht sein Ansatz.
"Manche glauben, ich bin nur in einer Geschäftsführerposition, weil ich der Sohn bin", sagt Christoph Plachutta. Seiner Meinung nach muss man sich als junger Chef den Respekt erst verdienen. Klar sei der Nachname ein Vorteil, zugleich bringe er aber auch Vorurteile mit sich. Sowohl Gäste als auch Mitarbeiter erwarteten automatisch eine bestimmte Leistung. "Man darf sich auf einen Nachnamen nichts einbilden", betont er.
Doch nicht nur an der Spitze des Hauses vollzieht sich ein Generationenwechsel. Auch im Team und unter den Gästen zeigt sich frischer Wind. Junge Mitarbeiter übernehmen Verantwortung in Küche und Service. "Ich freue mich über motivierte Lehrlinge", sagt Christoph Plachutta. Mit pauschaler Kritik an der "Gen Z" kann er wenig anfangen: "Es gibt in jeder Generation solche und solche. Wichtig ist, dass man eine Leidenschaft für Gastronomie hat."
Der Tourismusboom in Wien macht auch vor seinen Lokalen keinen Halt. Auf die Frage, ob man als Wiener überhaupt noch einen Platz bekomme, antwortet er prompt: "Wir unterscheiden nicht zwischen Gästen." In seinen Restaurants werden laut Plachutta alle gleich behandelt – und es gibt immer eine Möglichkeit, unterzukommen. "Wir sorgen dafür, dass jeder einen Platz findet."