Viele Arbeitnehmer bekommen zwar mehr Gehalt, spüren davon aber kaum etwas. Laut einer neuen Studie der Arbeiterkammer Tirol sind die realen Einkommen vieler Beschäftigter zwischen 2022 und 2025 sogar gesunken.
Die Erklärung: Die Lohnerhöhungen seien großteils von steigenden Preisen aufgefressen worden. Wohnen, Lebensmittel und Gastronomie zählen laut Untersuchung zu den größten Kostentreibern.
AK-Tirol-Präsident Erwin Zangerl (ÖVP) stellte die Ergebnisse am 18. März in Innsbruck vor. Sein Fazit ist deutlich: "Die Lohnerhöhungen sind nicht auf die Sparkonten der Beschäftigten geflossen, sondern zum überwiegenden Teil in höhere Preise."
Damit widerspreche die Studie auch der häufig geäußerten Darstellung, höhere Löhne hätten die Teuerung ausgelöst. Laut AK seien vielmehr die Preise zuerst gestiegen – und die Löhne erst später nachgezogen.
Die Folgen für Haushalte sind spürbar. Im Juni 2025 mussten Konsumentinnen und Konsumenten im Durchschnitt monatlich 384 Euro mehr für ihren Konsum ausgeben als noch im Jänner 2022. Besonders stark gestiegen seien die Ausgaben für Wohnen, Lebensmittel und Gastronomie. Diese Bereiche hätten einen großen Teil der zusätzlichen Belastung verursacht.
Für die Studie wurde ein durchschnittlicher Tiroler Arbeitnehmer betrachtet und Lohnerhöhungen auf 100 Euro heruntergebrochen. Das Ergebnis zeigt, wie wenig davon übrig bleibt.
"Von diesen 100 Euro sind 66 Euro ausschließlich in die höheren Preise reingegangen", erklärte Stefan Jenewein von der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung. Die größten Posten seien Wohnen und Miete mit 15 Euro sowie Lebensmittel und Gastronomie mit jeweils elf Euro gewesen.
Auch der Blick auf verschiedene Beschäftigtengruppen zeigt ein ähnliches Bild. Für die Analyse wurden fünf unterschiedliche Erwerbstypen untersucht.
Bei jenen Personen, die im gesamten Zeitraum beim selben Arbeitgeber beschäftigt waren, ergab sich trotz Lohnerhöhungen ein realer Verlust von insgesamt 2.166 Euro. Diese Gruppe ist mit rund 128.000 Menschen die größte unter Tirols Beschäftigten.
Nur eine Gruppe konnte laut Studie ein reales Einkommensplus erzielen. Dabei handelt es sich um Beschäftigte, die zumindest zu 75 Prozent gearbeitet und etwa durch Branchenwechsel oder mehr Arbeitsstunden ihr Einkommen gesteigert haben.
Diese Gruppe macht jedoch nur rund 26 Prozent der Beschäftigten aus. Für die Mehrheit blieb unter dem Strich trotz Lohnerhöhungen ein Kaufkraftverlust.