Nach mehreren wirtschaftlich schwierigen Jahren hellt sich die Lage in Österreich langsam auf, auch die Konsumentennachfrage zieht vorsichtig an. Doch nun sorgt der Krieg im Nahen Osten für neue Unsicherheit an den Energie- und Transportmärkten – mit potenziell spürbaren Folgen für Preise, Lieferketten und die Kaufkraft auch in Österreich.
Der Handelsverband ordnet die aktuellen Entwicklungen im Hinblick auf die erwartbaren Preisentwicklungen via Aussendung ein.
Seit Freitag sind die internationalen Rohölpreise bereits um rund zehn Prozent gestiegen. Hintergrund sind Eskalationen in einer der sensibelsten Energie-Regionen der Welt: Über die Straße von Hormus wird rund ein Fünftel des globalen Ölhandels abgewickelt. Jede ernsthafte Störung dieser Route treibt die Rohölpreise nach oben.
Für Österreich komme "erschwerend hinzu, dass durch eine Blockade der Meerenge auch kein Flüssiggas aus Katar mehr geliefert werden kann – ein relevanter Versorgungskanal, der nach dem Wegfall russischer Gaslieferungen schwer kurzfristig ersetzbar ist", hält der HV fest.
HV-Geschäftsführer Rainer Will sieht in den steigenden Energiepreisen, den höheren Risikoaufschlägen im Transport und der wachsenden geopolitischen Unsicherheit eine "beachtenswerte Kombination". Diese könne die "fragile wirtschaftliche Erholung rasch wieder abbremsen", befürchtet der Experte.
Der Handel sei in einer Schlüsselposition zwischen Produzenten und Konsumenten.
„Wir sehen sehr genau, wie Energie- und Transportkosten entlang der Wertschöpfungskette wirken. Wenn hier erneut Verwerfungen auftreten, droht eine neue Welle an Preisdruck“Handelsverband-Sprecher Rainer Willüber eine mögliche Teuerungswelle
Nach zwei herausfordernden Jahren mit hoher Inflation, Kaufkraftverlusten und Rezession sei die derzeitige Stabilisierung der heimischen Wirtschaft noch keineswegs abgesichert. Laut HV drohen nun eine steigende Inflation, ein Kaufkraftverlust der Haushalte, gebremste Investitionen im Handel sowie eine beeinträchtigte Wettbewerbsfähigkeit des heimischen Standorts.
Aus Sicht des Handelsverbands braucht es nun vor allem vorausschauende Planung und klare Signale der Stabilität. Die Bundesregierung sollte deshalb insbesondere den Fokus auf leistbare Energie beibehalten und die Diversifikation der Energiequellen konsequent vorantreiben sowie Lieferketten-Resilienz strategisch priorisieren.
Die Bundesregierung, allen voran Bundeskanzler Christian Stocker, hat sich heuer die Abschaffung des Merit-Order-Prinzips zum Ziel gesetzt. Dies hat der Kanzler zuletzt in der ORF-Pressestunde bestätigt. Die aktuellen Verwerfungen im Nahen Osten würden diesem Projekt jetzt "enorme Dringlichkeit" verleihen, hält der HV fest..