Mit dem Koralmtunnel wurde ein Stück Eisenbahngeschichte geschrieben. Nach 16 Jahren Bauzeit ging im Dezember erstmals seit Jahrzehnten eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke in Österreich in Betrieb. Züge brauchen von Graz nach Klagenfurt statt drei Stunden nur mehr 41 Minuten, von Wien ist man jetzt in 3:10 in der Kärntner Landeshauptstadt und fährt dabei über Graz (bislang 3:55 über Bruck/Mur).
Das macht die Südbahn auch für die Westbahn interessant. Das private Bahnunternehmen fährt mittlerweile nicht nur zwischen Wien und Salzburg, sondern darüber hinaus auf drei Ästen nach Saalfelden (Pinzgau), Lindau (am Bodensee) und Stuttgart (Baden-Württemberg). Am 1. März kommt die Strecke Wien Hbf – Villach hinzu.
Die Expansion auf die Südstrecke brachte aber ein Problem mit sich. Die bisherigen Doppelstock-Garnituren von Stadler (Schweiz) und CRRC (China) sind zu hoch für die alten Tunnel auf der Semmering-Strecke. Die Westbahn musste deswegen völlig neue Züge anschaffen.
Fündig wurde das Unternehmen abermals bei Stadler und hat drei Hochgeschwindigkeitszüge des Typs SMILE bestellt. Dieser schafft Geschwindigkeiten von bis zu 250 km/h (fährt diese auch zwischen Graz und Klagenfurt) und ist somit fortan der schnellste Zug Österreichs, denn der ÖBB-Railjet ist nur bis 230 km/h zugelassen.
Die Stadler-SMILE-Züge bieten einen niederflurigen und barrierefreien Einstieg, setzen auf das gewohnt transparente und offene Innendesign, haben WLAN und Steckdosen an jedem der 422 Sitzplätze. Die Fahrgasträume sind druckdicht und bieten verstellbare Sitze für lange Reisezeiten in allen Komfortklassen.
Während der Regelbetrieb am 1. März um 06.15 Uhr startet, durfte "Heute" schon am Vortag im Rahmen einer exklusiven Präsentationsfahrt an Bord dabei sein und sich ein genaues Bild von der 11-teiligen, 202 Meter langen Garnitur machen.
So fährt die Westbahn in den Süden
Weil die Westbahn eine Reihe zusätzlicher Stopps einlegt, braucht sie fünf Minuten länger als die ÖBB. Außerdem muss von Wien nach Wiener Neustadt über die Pottendorfer Linie ein deutlicher Umweg gefahren werden. Und aufgrund der aktuellen Bauarbeiten am Semmering variieren die Zwischenhalte in der ersten Phase noch.
In einem ersten Schritt gibt es drei tägliche Verbindungen von Wien Hbf über Wien-Meidling, Wiener Neustadt, Payerbach-Reichenau, Bruck/Mur, Graz, Kühnsdorf-Klopeiner See, Klagenfurt, Pörtschach am Wörthersee nach Villach.
Ab 26. März gibt es an den reisestarken Freitagen, Samstagen und Sonntagen fünf Verbindungen pro Richtung, ab 29. Mai dann täglich. Statt in Payerbach-Reichenau halten die Züge dann in Semmering. Abfahrt ist am Wiener Hbf um 06.15 Uhr, 14.15 Uhr und 16.15 Uhr, Ende März bzw. Mai dann zusätzlich um 10.15 Uhr und 18.15 Uhr.
Mit der Eröffnunge des Semmering-Basistunnels (geplant Ende 2029) ist ein Stundentakt geplant.
Schon die 2. Klasse ist extrem gemütlich, geräumig und hell. Ein Großteil der Plätze ist als 4er-Sitze angeordnet, doch es gibt auch Einzelsitze. Die Lehnen lassen sich nur wenig verstellen, Gepäck-Racks gibt es ausreichend und eigene Anzeigen, welches Klo gerade frei ist. Kurios: Die Mistkübel am Platz sind gesperrt, allerdings gibt es zwischen den Waggons welche. Außerdem gehen die Mitarbeiter während der Fahrt durch und sammeln Müll ein.
Statt den Automaten gibt es hier einen eigenen Speisewagen mit neuen Produkten (darunter den neuen Bundesländern entsprechend Bier von Hirter und Puntigamer). Bezahlt wird in Euro oder Westpunkten, die es für den selbstständigen Ticket-Checkin per QR-Code oder NFC gibt.
Weitere Besonderheit: Bei der Westbahn gibt es drei statt zwei Klassen, wobei die Comfort-Class (2+) von der Ausstattung her den 1. Klasse Waggons der gleichen Stadler-Züge bei den SBB entspricht. Mit Klimaticket darf man auch hier rein und kriegt so ohne Aufpreis ein 1. Klasse Erlebnis. Großartige Unterschiede zwischen Erster und Comfort Class sind keine zu erkennen.