Das Konsumklima in Österreich ist im April auf einen neuen Tiefststand gefallen. Laut aktueller Analyse des Instituts für Handel, Absatz und Marketing der JKU Linz drückt der neuerliche Inflationsschub – im April waren es 3,4 Prozent – massiv auf die Stimmung.
Konkret fiel der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen der wirtschaftlichen Lage auf -24 Prozentpunkte. Damit ist der Wert schlechter als im ersten Corona-Lockdown im April 2020. Damals waren es -21 Punkten. Noch schlechter war die Stimmung nur in der Anfangsphase des Ukraine-Konflikts im Juli 2022 mit -34 Punkten.
Der letzte nicht negative Wert liegt schon länger zurück. Im August 2021 stand der Index bei 0 Punkten. Seither bleibt die Stimmung der Konsumenten im Minus. Auch in Deutschland sowie in der EU insgesamt zeigt sich laut Analyse ein ähnliches Bild, dort fällt das Minus mit -18 bzw. -19 Punkten aber etwas geringer aus als in Österreich.
Besonders deutlich zeigt sich die Zurückhaltung bei Käufen, die sich verschieben lassen. 36 Prozent der erwachsenen Konsumenten geben aktuell weniger für Bekleidung, Schuhe, Sportartikel und ähnliche Waren aus. Noch stärker betroffen ist der Langfristbedarf: Bei Elektrogeräten, Möbeln sowie Bau- und Heimwerkerbedarf sparen 43 Prozent.
Beim täglichen Einkauf sind Einschnitte seltener. Nur 13 Prozent setzen bei Lebensmitteln, Drogeriewaren, Zeitschriften und Ähnlichem den Sparstift an. Die Haushalte würden damit laut Analyse ihren Anpassungskurs fortsetzen: Alltägliches werde weitgehend stabil gehalten, größere Anschaffungen würden dagegen stärker geprüft, verschoben oder ganz gestrichen.
Dazu kommt: Aktionen werden wieder wichtiger. 73 Prozent der Konsumenten achten demnach beim Einkauf stärker auf Angebote. In den Jahren nach der Hochinflationsphase 2022 und 2023 hatte diese Aktionsorientierung nachgelassen. Jetzt steigt sie wieder deutlich an.
Auch günstigere Produkte landen wieder öfter im Einkaufswagen. 54 Prozent greifen aktuell zu preiswerteren Waren. Damit liegt der Wert höher als im April und September 2025. Damals gaben jeweils 52 Prozent an, auf günstigere Produkte umzusteigen.
Dr. Ernst Gittenberger vom IHaM fasst die Lage so zusammen: "Der Inflationsschub im Zuge des Iran-Konflikts drückt das Konsumklima in Österreich auf einen neuen Tiefststand von -24 Prozentpunkten." Die Alltagskäufe blieben zwar weitgehend stabil, größere oder langlebige Ausgaben würden aber weiter kritisch geprüft, verschoben oder gestrichen.
Gittenberger betont auch, die Konsumenten seien nach mehreren Krisenjahren deutlich vorsichtiger geworden. Die Preissensibilität nehme wieder zu, Aktionen würden erneut an Gewicht gewinnen.
IHaM-Institutsvorstand Christoph Teller spricht weniger von einer klassischen Konsumkrise. Es gehe vielmehr um Kontrolle. Nach Jahren wirtschaftlicher und geopolitischer Belastungen würden Konsumenten versuchen, Unsicherheit durch einfache und besser planbare Entscheidungen zu reduzieren. "Aktionen, bekannte Marken oder aufschiebbare Käufe dienen dabei nicht nur dem Sparen, sondern auch der Orientierung", sagt Teller.
Die Analyse basiert auf seit April 2022 halbjährlich durchgeführten Online-Befragungen. Befragt werden jeweils rund 1.000 erwachsene Konsumenten, repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 18 Jahren.