Die geplante Senkung der Umsatzsteuer auf Grundnahrungsmittel wird in Österreich nur verhalten positiv aufgenommen. Zwar hält laut einer aktuellen Analyse des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) rund die Hälfte der Bevölkerung die Maßnahme grundsätzlich für sinnvoll. Viele Konsumentinnen und Konsumenten zweifeln aber daran, dass die niedrigere Steuer vollständig bei ihnen ankommt.
Konkret bewerten 51 Prozent der 16- bis 74-Jährigen die Maßnahme als sinnvoll. 46 Prozent halten sie für sozial gerecht, 45 Prozent sehen eine persönliche Relevanz. Besonders junge Menschen, Haushalte mit niedrigerem Einkommen und Mehrpersonenhaushalte würden die Senkung positiver beurteilen. Das IHaM führt dies darauf zurück, dass diese Gruppen im Alltag stärker von Lebensmittelpreisen betroffen sind.
Deutlich skeptischer fällt die Einschätzung aus, wenn es um die tatsächliche Wirkung geht. 75 Prozent der Befragten glauben laut Analyse, dass die Preissenkungen nicht vollständig an die Konsumentinnen und Konsumenten weitergegeben werden. 74 Prozent bewerten den Gesamteffekt als eher gering, 73 Prozent sehen in der Umsatzsteuersenkung eher einen symbolischen Schritt als eine spürbare Entlastung.
Diese Skepsis ziehe sich nahezu durch alle Einkommensklassen und Altersgruppen, heißt es in der Analyse. Besonders Haushalte mit höherem Einkommen würden die Maßnahme eher als symbolisch denn als wirksam betrachten. Insgesamt zeige sich ein ausgeprägtes Misstrauen gegenüber der vollständigen Weitergabe von Preisvorteilen.
Auch beim Einkauf selbst erwarten die Studienautoren nur begrenzte Veränderungen. 41 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten glauben, durch die Maßnahme Geld beim Einkauf sparen zu können. 40 Prozent geben an, künftig stärker auf betroffene Produkte achten zu wollen. Nur 24 Prozent gehen jedoch davon aus, dass die Umsatzsteuersenkung ihr Einkaufsverhalten bei Lebensmitteln insgesamt beeinflussen werde.
Etwas stärker dürfte der Effekt bei einkommensschwächeren Haushalten, jungen Konsumentinnen und Konsumenten sowie Haushalten mit vier oder mehr Personen ausfallen. Diese Gruppen würden häufiger auf vergünstigte Produkte achten oder ihr Einkaufsverhalten anpassen. Entscheidend sei laut IHaM aber weniger die rechnerische Höhe der Ersparnis. Wichtiger sei, ob die Entlastung im Alltag sichtbar und spürbar werde.
Dr. Ernst Gittenberger vom IHaM erklärt dazu: "Preispolitische Maßnahmen wirken nicht allein über niedrigere Preise, sondern auch über wahrgenommene Preisfairness und Vertrauen in deren tatsächliche Weitergabe." Wichtig seien daher sichtbare Preissignale und eine glaubwürdige Kommunikation durch Handel und Politik. Konsumentinnen und Konsumenten müssten die Entlastung nicht nur berechnen können, sondern auch daran glauben.
IHaM-Institutsvorstand Univ.-Prof. Dr. Christoph Teller verweist auf die konsumentenpsychologische Wirkung der Teuerung. Finanzielle Verluste durch Inflation würden deutlich stärker wahrgenommen als vergleichsweise kleine Gewinne durch eine Umsatzsteuersenkung. "Bleibt die Ersparnis kaum spürbar, entstehen auch nur begrenzte Effekte auf Konsumklima, wirtschaftliche Zuversicht und Kaufverhalten", resümiert Teller.
Die Ergebnisse beruhen auf einer Online-Befragung im Mai 2026 unter 1.067 Konsumentinnen und Konsumenten. Die Studie ist laut IHaM repräsentativ für die österreichische Bevölkerung zwischen 16 und 74 Jahren und wurde aus Eigenmitteln finanziert.