Die europäische Wirtschaft kommt nur langsam voran. Laut aktueller Frühjahrsprognose der EU-Kommission hat der neuerliche Energieschock die Erholung deutlich gebremst. Öl und Gas sind teurer, Firmen haben höhere Kosten, viele Haushalte halten ihr Geld stärker zusammen.
Für die EU erwartet die Kommission heuer gerade einmal 1,1 Prozent Wachstum – statt der im Herbst prognostizierten 1,4 Prozent. Ein Plus in dieser Größenordnung soll es dann tatsächlich erst im kommenden Jahr geben. In der Eurozone sieht es sogar noch schwächer aus: 0,9 Prozent heuer und 1,2 Prozent im nächsten Jahr.
Gleichzeitig zieht die Teuerung wieder an. Die Inflation dürfte in der EU heuer auf 3,1 Prozent steigen (ursprünglich waren 1,9 Prozent erwartet worden), 2027 aber wieder auf 2,4 Prozent absinken. Grund dafür sind vor allem höhere Energiepreise, die nach und nach auch auf Lebensmittel, Transport und Dienstleistungen durchschlagen.
Im internationalen Vergleich steht Europa auf wackeligen Beinen. Die Weltwirtschaft außerhalb der EU wächst laut Prognose heuer um 3,1 Prozent, 2027 um 3,5 Prozent. Die USA kommen 2026 auf 2,2 Prozent, für China werden 4,5 Prozent vorhergesagt.
Der Grund: Viele europäische Länder sind stärker von Energieimporten abhängig. Steigen die Preise für Öl und Gas, trifft die Betriebe und Konsumenten besonders rasch.
Die Entwicklung in Österreich fällt sogar noch schwächer aus. Nach einem Mini-Wachstum von 0,6 Prozent im Vorjahr erwartet die EU-Kommission auch heuer nur 0,6 Prozent. 2027 könnten es immerhin 0,9 Prozent werden.
Die Erholung lässt damit weiter auf sich warten. Der private Konsum wächst nur langsam, weil höhere Preise die Kaufkraft drücken. Auch Betriebe investieren vorsichtiger.
Im EU-Vergleich zählt Österreich damit weiterhin zu den Schlusslichtern. Heuer schneiden nur Irland (–1,2 Prozent), Rumänien (+0,1 Prozent) und Italien (+0,5 Prozent) noch schwächer ab. Deutschland liegt gleichauf mit Österreich.
Noch übler sieht es für Österreich 2027 aus. Dann wächst laut Prognose nur Italien mit 0,6 Prozent noch langsamer. Belgien und Deutschland liegen mit 0,9 Prozent gleichauf.
Bei der Inflation sieht es etwas besser aus. Österreich rangiert 2026 mit 3,0 Prozent knapp unter dem EU-Schnitt von 3,1 Prozent und gleichauf mit der Eurozone. 2027 soll die Teuerung auf 2,5 Prozent sinken – bei einem EU-Schnitt von 2,3 Prozent.
Eine der großen Baustellen bleibt das Budget. Das Defizit soll 2026 und 2027 bei jeweils 4,1 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen. Damit steht Österreich merklich schlechter da als der EU-Schnitt. Der soll heuer 3,5 Prozent, 2027 voraussichtlich 3,6 Prozent ausmachen.
Auch die Schulden steigen weiter. Die Staatsschuldenquote soll von 81,5 Prozent im Jahr 2025 auf 84,9 Prozent im Jahr 2027 klettern. Österreich rangiert damit zwar noch knapp unter dem EU-Durchschnitt, allerdings mit einem klaren Trend nach oben.