Neue Prognosen von WIFO und IHS dämpfen die Hoffnungen auf eine rasche Erholung der heimischen Wirtschaft. Grund dafür sind laut den Experten vor allem die Folgen des Iran-Kriegs und die dadurch stark gestiegenen Energiepreise. Beide Institute haben ihre Erwartungen für das Wirtschaftswachstum 2026 nun deutlich nach unten korrigiert.
Während das IHS im Dezember noch von einem Plus von 1,0 Prozent ausging und das WIFO sogar 1,2 Prozent prognostizierte, rechnen die Institute jetzt nur mehr mit 0,5 bzw. 0,9 Prozent Wachstum. Gleichzeitig bleibt die Inflation mit prognostizierten 2,7 bis 2,9 Prozent weiterhin über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank.
Am Freitag war Holger Bonin, Wissenschaftlicher Direktor am Institut für Höhere Studien, in der ZiB-2 zu Gast und sprach über die angespannte Wirtschaftslage. "Es kann noch schlimmer kommen. Sollte der Konflikt länger andauern, könnte es sein, dass es zu einem Null-Wachstum kommt. Die Lage ist volatil", warnt der Experte.
Das Wachstum der Industrie erklärt Bonin damit, dass man von einem extrem niedrigen Niveau kommt. Sollten die Energiepreise weiter steigen, wird es auch hier zu einbrechenden Prognosen kommen. Sollten die Zinsen weitersteigen, wird es auch die Baubranche noch weiter treffen.
Angesprochen auf das Ziel des Bundeskanzlers, die Inflation bis zum Jahresende auf zwei Prozent zu drücken, warnt der Experte. "Das wird sich ganz sicher nicht ausgehen. Wir werden am Ende des Jahres fast bei drei Prozent stehen", so Bonin weiter.
Gegen den aktuellen Effekt könne man nichts machen. "Das wird die Menschen in Österreich auch ärmer machen, so ehrlich muss man sein", stellt der Experte im ORF klar. Entscheidend sei, dass die Politik die Zweitrundeneffekte im Griff behält.
Unklar sei, wie viel der Staat nun einsparen muss. Bei einem Wachstum von 2,5 sei es unmöglich, die vom Finanzminister veranschlagten zwei Milliarden Euro einzusparen. "Drei Milliarden sparen wäre sicherlich besser in dieser Situation", so Bonin. Dazu müsse man unpopuläre Entscheidungen treffen. Zudem müsse man sehen, ob man bei den Sozialleistungen Budget einsparen kann.
Ein Doppelbudget sieht Bonin als vernünftig an: "Wenn es vernünftig gemacht ist, gibt es den Bürger und der Wirtschaft Sicherheit was kommt." Man müsse angesichts der veränderten Weltlage langfristig die Staatsfinanzen in den Griff bekommen.