Die Broschüre soll den Mitarbeitern und auch Führungskräften am Küniglberg aufzeigen, wie bei sexueller Belästigung vorzugehen ist. Im Fokus stehen klare Meldewege, Unterstützung für Betroffene und Konsequenzen für Täter.
"Sagen, was ist. Auch am Arbeitsplatz", lautet das ORF-Credo angelehnt an das berühmte Zitat des "Spiegel"-Gründers Rudolf Augstein. Die Causa Weißmann im Speziellen findet allerdings keine Erwähnung.
Sexuelle Belästigung wird darin laut "Standard" wie folgt definiert: "Darunter ist jedes der sexuellen Sphäre zugehörige Verhalten zu verstehen, das die Würde einer Person beeinträchtigt oder dies bezweckt, für die betroffene Person unerwünscht, unangebracht oder anstößig ist und dadurch entweder eine negative Arbeitsumgebung erzeugt wird oder es eine Karrierebehinderung zur Folge hat."
Sexuelle Belästigung umfasse "Annäherungsversuche jeder Art, in Form von Gesten und Äußerungen, und kann auf verschiedene Weisen auftreten: Jeder unerwünschte körperliche Kontakt, Anspielungen und Witze mit sexuellem Hintergrund oder sexistische Bemerkungen, die von der Person, an die sie sich richten, als beleidigend empfunden werden, zählen dazu. Die Palette von sexueller Belästigung ist somit breit – sowohl verbal als auch nonverbal."
"Maßgeblich für die Grenzen des eigenen Verhaltens ist stets die Zustimmung, nicht die Ablehnung des Gegenübers. Es braucht somit kein NEIN, sondern ein ausdrückliches JA, um sexualisierte Handlungen im beidseitigen Einvernehmen allenfalls zu rechtfertigen", heißt es weiter.
Das Papier schließt mit klaren Worten: "Diskriminierung am Arbeitsplatz, sexistische Kommentare und Einstellungen sowie psychische oder sexuelle Gewalt haben weder in einer modernen Gesellschaft noch im ORF Platz."
Das Dokument richtet sich an alle Beschäftigten und soll vor allem eines sicherstellen: dass Vorfälle ernst genommen und rasch aufgearbeitet werden. Betroffene sollen sich an definierte Anlaufstellen wenden können, ohne Angst vor Nachteilen haben zu müssen.
Auch Führungskräfte werden stärker in die Pflicht genommen. Sie sollen Hinweise aktiv verfolgen und dafür sorgen, dass ein respektvolles Arbeitsumfeld eingehalten wird. Zudem sollen sie einen verpflichtenden Workshop absolvieren müssen.
Der Leitfaden ist Teil eines umfassenderen Maßnahmenpakets, mit dem der ORF auf die Debatte rund um Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen reagiert. Ziel ist es, klare Standards zu setzen und Vertrauen zurückzugewinnen.