Die "Via Vindobona" ist eine der wichtigsten Achsen in Mitteleuropa – und hängt in Sachen Bahnverkehr aber noch im letzten Jahrhundert fest. Für die 350 km von Wien nach Prag benötigen Züge aktuell 4:15. Schlecht ist auch die Verbindung der zwei größten deutschsprachigen Städte Wien und Berlin. Dafür brauchen Reisende rund neun Stunden, müssen einen großen Umweg über München machen und dort zumeist auch umsteigen.
Das soll bald der Vergangenheit angehören. Aktuell steht Österreichs Schienennetz noch ganz im Zeichen der Tunnel-Großprojekte. Die Koralm wird bereits erfolgreich in 40 Minuten durch- statt in drei Stunden umfahren, Ende 2029 folgt der Semmering-Basistunnel, 2032 der Brenner-Basistunnel – Letzterer wird die längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt.
Im Anschluss sind dann offenbar die Verbindungen in Richtung Norden dran. Der österreichische Mobilitätsminister Peter Hanke hat am Freitag in Wien gemeinsam mit dem tschechischen Verkehrsminister Ivan Bednárik eine Absichtserklärung (Letter of Intent) zur weiteren Vertiefung der Zusammenarbeit im Bereich der grenzüberschreitenden Eisenbahninfrastruktur unterzeichnet.
Die beiden Bahnverbindungen zwischen Österreich und Tschechien sollen leistungsfähiger, schneller und attraktiver werden. Im Fokus liegt dabei der Ausbau der Eisenbahnachsen zwischen Wien, Prag und Berlin sowie zwischen Linz, České Budějovice und Prag. Ziel ist es, die Fahrzeit für die Verbindung Wien-Prag auf 2,5 Stunden zu reduzieren.
Apropos Verbindungen in den Norden: Ab 1. Mai gibt es eine neue Direktverbindung von Prag über Berlin nach Kopenhagen. Der ComfortJet braucht im Regelbetrieb ab 14. Juni für diese Strecke nur elf Stunden. Auch von Wien aus kommt man dann deutlich schneller und mit nur einem Umstieg in die Hauptstadt Dänemarks.
Auf österreichischer Seite wird dabei insbesondere der Ausbau der Nordbahn zwischen Wien und der Grenze bei Břeclav vorangetrieben. Ziel ist eine Streckengeschwindigkeit von bis zu 200 km/h. Parallel dazu laufen in Tschechien die Planungen für neue Hochleistungsstrecken zwischen Prag, Brünn und Břeclav sowie in Richtung Deutschland.
Bis 2040 sollen die Strecken so ausgebaut sein, dass die Verbindungen Wien-Prag in 2,5 und Wien-Berlin innerhalb von nur 4 Stunden zurücklegbar sind. Langfristig wird auch die Einführung regelmäßiger Direktverbindungen zwischen Wien, Prag und Berlin ausgeweitet.
"Mit dieser Absichtserklärung setzen wir einen wichtigen Schritt für die Zukunft des Bahnverkehrs in Mitteleuropa. Unser Ziel ist klar: schnellere Verbindungen, mehr Kapazitäten und ein attraktives Angebot für Reisende und Wirtschaft. Damit leisten wir einen entscheidenden Beitrag für die Mobilitätswende und zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts", betont Mobilitätsminister Hanke.
Ob auch zwischen Linz, Budweis und Prag eine Hochleistungsstrecke sinnvoll ist, soll eine Studie klären, die Ende 2026 vorliegen soll. Ein weiterer zentraler Punkt der Vereinbarung ist die enge Abstimmung bei Bauvorhaben entlang der Nordbahn. Durch frühzeitige Koordination von Bauzeiten sollen Auswirkungen auf den laufenden Betrieb minimiert werden.
Gleichzeitig wollen beide Länder ausreichende Ausweichkapazitäten auf bestehenden Strecken sicherstellen. Dazu zählt unter anderem die Elektrifizierung wichtiger Verbindungen auf tschechischer Seite, die als Voraussetzung für leistungsfähige Umleitungsverkehre gilt.