In der Lobau laufen Vorbereitungen für den Baustart der umstrittenen Lobau-Autobahn S1. Das sorgt für Widerstand: Ein Bündnis aus mehreren Klima- und Umweltorganisationen ging am Donnerstagvormittag vor dem Verkehrsministerium in Wien auf die Straße.
Rund 150 Demonstranten forderten von Verkehrsminister Peter Hanke einen sofortigen Stopp der Vorarbeiten sowie das endgültige Aus für das Milliardenprojekt. Für die Aktivisten ist klar: Die Lobau-Autobahn sei "nicht nur wahnsinnig teuer, sondern auch ein absoluter Klimakiller".
"In Zeiten von Klima- und Budgetkrise können wir uns derartige milliardenschwere Eskapaden schlicht nicht leisten. Die Menschen im Norden Wiens brauchen schnelle und klimafreundliche Lösungen, nicht 15 Jahre Großbaustelle", mahnt Hannah Keller, Energiesprecherin von Global 2000. Die Umweltschutzorganisation startete auch eine E-Mail-Protestaktion.
Allein für die S1 rechnet die Asfinag mit sechs Jahren Bauzeit, das Gesamtprojekt mit Tunnel würde frühestens 2040 fertiggestellt. Bis dahin wolle Österreich längst klimaneutral sein. "Klimafreundliche und zukunftsfähige Verkehrspolitik sieht anders aus", so Keller.
Alternativen zur Lobau-Autobahn seien ein Öffi-Ausbau sowie eine verbesserte Rad- und Fußinfrastruktur. Laila Kriechbaum von "Fridays For Future" meint: "Es ist absurd, dass Verkehrsminister Hanke an dem Projekt festhält, während Recht und Wissenschaft dagegen sprechen." Die Bewegung sei in Zeiten der Budgetkrise "gegen Investitionen in fossile Monsterprojekte".
Für das Bündnis "Solidarischer Widerstand gegen Sozialabbau" ist es "unverständlich, dass Milliarden für dieses veraltete Verkehrsprojekt versenkt werden". Paula Krosigk von der NGO "System Change" kündigt an: "Jetzt geht unser Widerstand erst richtig los!"
Stefan Holly von "Lobau bleibt!" fasst zusammen: "Die S1 ist unsinnig, rechtswidrig, sozial und ökologisch katastrophal. Minister Hanke handelt verantwortungslos!"
Lob für den Baustart kam hingegen von der Industriellenvereinigung sowie von der Wiener ÖVP: "Das ist ein wichtiger Schritt für Wien und die gesamte Region. Der S1-Lückenschluss ist ein wesentliches Infrastrukturprojekt für die Entlastung der Stadt und für die weitere Entwicklung im Osten Wiens", betont Markus Figl, Landesparteiobmann der Wiener Volkspartei.