Ein neuer Bericht sorgt für Aufsehen: Öl- und Gaskonzerne verdienen seit Beginn des Iran-Kriegs kräftig mit. Laut Greenpeace fließen täglich knapp 82 Millionen Euro an zusätzlichen Gewinnen in die Kassen der fossilen Industrie - angetrieben durch hohe Spritpreise.
Besonders brisant: Die Preise an den Tankstellen sind deutlich stärker gestiegen als die Rohölpreise. Das bedeutet, dass ein großer Teil der Mehrkosten nicht durch den Einkauf, sondern durch höhere Margen entsteht.
Eine Stellungnahme von OMV und WKO-Fachverband "Energierohstoff- und Kraftstoffindustrie" zu der Studie lag trotz "Heute"-Anfrage bisher nicht vor.
Laut WKO steigen die Spritpreise oft stärker als die Rohölpreise, da der Rohölpreis nur eine Komponente des Endpreises ist. Hauptgründe für die überproportionale Steigerung seien geopolitische Unsicherheiten, Steuern, CO2-Bepreisung und Wechselkursschwankungen.
Österreich schneidet dabei alles andere als gut ab. Beim Benzin liegt die Republik im EU-Vergleich laut Studie auf Platz 2 der höchsten Übergewinne, beim Diesel auf Platz 4. Vor allem Diesel treibe die Gewinne: Mehr als 90 Prozent der Übergewinne stammen laut Report aus diesem Bereich.
Konkret sei die Gewinnmarge bei Diesel hierzulande um rund 23 Cent pro Liter gestiegen. Bei Benzin sind es etwa fünf Cent - nur in Deutschland ist der Anstieg noch höher.
Umweltschützer üben seit Beginn des Angriffskriegs gegen den Iran scharfe Kritik und fordern ein politisches Eingreifen. Konkret solle Finanzminister Marterbauer die seit Ende 2022 bestehende Übergewinnsteuer verschärfen und auch auf das Tankstellengeschäft ausweiten.
Zwar gebe es den Energiekrisenbeitrag, doch dieser habe laut Kritikern Schlupflöcher: So werden etwa Gewinne aus dem Tankstellenverkauf nicht erfasst. Zudem würden nur rund 50 Prozent der Übergewinne abgeschöpft.
Marc Dengler, Energie-Experte von Greenpeace, bringt es auf den Punkt: "Während viele Menschen nicht mehr wissen, wie sie ihre Spritkosten bezahlen sollen, verdienen sich fossile Konzerne eine goldene Nase." Allein in den ersten 21 Tagen seit Kriegsbeginn seien in Österreich knapp 80 Millionen Euro an Übergewinnen angefallen.
Das Geld könnte laut den Umweltschützern sinnvoller eingesetzt werden - etwa für günstigere Energie oder den Ausbau erneuerbarer Lösungen, um unabhängiger von Öl und Gas zu werden.