Die geplante Paketsteuer stößt auf massiven Widerstand. Eine neue Analyse des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) der Johannes Kepler Universität Linz zeigt: 76 Prozent der Online-Shopper lehnen die Abgabe ab, da diese zulasten der Konsumenten gehen könnte. Nur 24 Prozent zeigen Verständnis dafür, dass die Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel gegenfinanziert werden müsse, so das IHaM.
Online-Shopping ist längst kein Nischenthema mehr. Laut jüngsten Statistik-Austria-Zahlen kaufen bereits 73 Prozent der 16- bis 74-Jährigen in Österreich im Internet ein. Eine Paketgebühr würde damit nicht nur einzelne Vielbesteller treffen, sondern einen großen Teil der Bevölkerung. Besonders stark sei die Ablehnung bei jenen, die häufig online bestellen.
Ein weiteres Ärgernis: Die 2 Euro werden unabhängig von Einkommen und Warenwert fällig. Wer einen günstigen Alltagsartikel bestellt, zahlt demnach denselben Betrag wie jemand, der teure Waren online kauft. Dadurch wirke die Abgabe regressiv – ähnlich einer "Flat Tax".
Besonders betroffen seien Menschen mit wenig Geld. Laut Analyse kaufen bereits 45 Prozent der Haushalte mit weniger als 2.000 Euro Monatseinkommen bei Plattformen wie Temu, Shein und ähnlichen Anbietern ein. Gerade dort gehe es oft um günstige Produkte.
Eine pauschale Abgabe von 2 Euro falle bei solchen Bestellungen prozentuell deutlich stärker ins Gewicht, so die Fachleute. Auch deshalb lehnen 82 Prozent jener Online-Shopper, die bei asiatischen Plattformen einkaufen, die geplante Paketabgabe ab.
Hinzu kommt: Für viele Menschen sind Internetbestellungen nicht bloß eine Frage der Bequemlichkeit, "sondern Teil etablierter Versorgungs- und Einkaufsroutinen". Besonders betroffen wären daher "Personen im ländlichen Raum, Menschen mit eingeschränkter Mobilität, ältere Personen oder zeitlich stark belastete Haushalte". Gerade hier würden oft attraktive, stationäre Einkaufsalternativen fehlen, schreiben die Experten in ihrem Bericht.
Das bedeutet im Klartext – wer bestimmte Produkte vor Ort nicht findet, kein Auto hat oder einfach etwa aus beruflichen Gründen keine Zeit hat, ist auf Online-Shopping stärker angewiesen. Für diese Gruppen könnte die Paketsteuer daher besonders spürbar werden.
Tatsächlich brisant ist ein möglicher Nebeneffekt, den die Linzer Marktexperten ebenfalls sehen: Die Paketsteuer könnte ausgerechnet großen internationalen Plattformen helfen. Diese hätten laut Analyse zahlreiche Möglichkeiten, Zusatzkosten in Verkaufsaktionen einzubauen – etwa über Mindestbestellwerte, Bündelrabatte oder Boni im Warenkorb.
29 Prozent der Online-Shopper würden auch nach Einführung der Paketsteuer weiterhin bei großen Plattformen einkaufen, weil diese im Vergleich zum stationären Handel nach wie vor günstiger erscheinen. Weitere 44 Prozent würden genauer recherchieren, welcher Online-Shop inklusive Paketgebühr am billigsten ist. Damit könnten große, preisaggressive Anbieter ihre Vorteile behalten. Kleine Händler hingegen würden nicht automatisch profitieren.
Zwar richte sich die Regelung formal vor allem gegen große Online-Shops und Plattformen. Doch viele kleine österreichische Händler verkaufen ihre Produkte über Amazon Marketplace, Zalando oder ähnliche Systeme, um online überhaupt sichtbar zu sein und ihre Reichweite zu erhöhen. Dadurch könnten auch sie unter Druck geraten.
Lediglich 16 Prozent der Online-Shopper würden nämlich nach Einführung der Abgabe verstärkt zu kleinen Online-Shops wechseln, um sich die 2 Euro pro Paket zu ersparen. Verkauften diese kleinen Händler aber über große Plattformen, sei genau das aber gar nicht möglich.
Ob die Paketsteuer tatsächlich mehr Menschen zurück in die Geschäfte bringt, ist laut IHaM fraglich. Beim Einkauf zählten nicht nur 2 Euro mehr oder weniger. Auch Zeitaufwand, Mobilitätskosten, Bequemlichkeit, Verfügbarkeit und der Gesamtpreis spielten eine große Rolle.
Nur 11 Prozent der Online-Shopper würden laut Studie bei Einführung der Paketsteuer weniger online und dafür mehr offline einkaufen. Bei besonders intensiven Online-Shoppern seien es nur 5 Prozent. Eine große Rückkehr in den stationären Handel sei daher kaum zu erwarten.
Dr. Ernst Gittenberger vom Institut für Handel, Absatz und Marketing fasst die Analyse so zusammen: "Der Abtausch der Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel mit der Einführung einer neuen Paketsteuer wird für den Großteil der Konsumenten finanziell ein Nullsummenspiel bleiben – nach dem Prinzip linke Tasche, rechte Tasche."
Die durchschnittliche Entlastung durch die niedrigere Mehrwertsteuer könne demnach schon durch wenige paketpflichtige Online-Bestellungen wieder kompensiert werden. "'Befreit' wären nur jene Konsumentinnen und Konsumenten, die nie online einkaufen", so Gittenberger.
Auch IHaM-Institutsvorstand Univ.-Prof. Dr. Christoph Teller warnt vor einem widersprüchlichen Effekt. Aus wettbewerblicher Sicht könne die Abgabe einen "paradoxen Handelsschutz" erzeugen. Große Plattformen verfügten über erhebliche Möglichkeiten, pauschale Zusatzkosten über Mindestbestellwerte, Warenkorb-Bündelungen oder Preisanreize zu absorbieren.
Gleichzeitig könnte die Paketgebühr, so Christoph Teller, "aus Konsumentensicht als zusätzliche Belastung auf einem mittlerweile stark frequentierten digitalen Einkaufspfad wahrgenommen werden". Zusätzliche Belastungen im Einkaufsvorgang seien zudem wenig geeignet, "das aktuell fragile Konsumklima zu stärken".
Die Studienergebnisse basieren auf einer Online-Befragung im Mai 2026 unter 1.067 Konsumenten. Laut IHaM ist die Erhebung repräsentativ für die österreichische Bevölkerung zwischen 16 und 74 Jahren.