Händler wie Spar leiden zunehmend unter der "Überbürokratisierung", verursacht durch Maßnahmen der Regierung. Das erklärte Spar-Vorstand Markus Kaser beim 3. Foodsalon in Wien, einem Event für Journalisten, bei dem es vorrangig um neue Trends und Produkte geht.
Extrem geärgert hätte ihn die "partielle, eigentlich undurchdachte Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel“ auf 4,9 Prozent. Hier stehe der "Aufwand in keiner Relation zu dem, was am Ende des Tages rauskommt". Vielmehr trage das zur Verwirrung bei und verursache hohe Kosten. Allein die Belastung für die Spar-Technik beziffert er mit "rund zwei Millionen Euro".
So müssten zahlreiche IT-Systeme umgestellt werden – unter anderem deshalb, weil bisher keine Kommastellen bei den Steuersätzen vorgesehen waren. Noch nicht berücksichtigt ist der Aufwand für das manuelle Umstecken von "Multimillionen" Regaletiketten, da erst 30 Prozent der Spar-Filialen über eine elektronische Preisauszeichnung verfügen.
Weitere Herausforderung – die unterschiedlichen Steuersätze bei einem Produkt. Ein "banales Beispiel" ist laut Kaser die Wurstsemmel. "Die Semmel ist nämlich 4,9 Prozent, die Wurst 10 Prozent." Wolle man noch Gurkel oder Pfefferoni reinhaben, werde es wirklich kompliziert.
Ebenso ein Kritikpunkt – die Maßnahmen gegen Mogelpackungen, also weniger Inhalt bei unveränderten bzw. sogar höheren Preisen. Die Idee ist in den Augen von Markus Kaser zwar "prinzipiell eine gute Sache", weil es "nicht anständig" sei, Kunden hinters Licht zu führen.
Die Umsetzung sei für ihn aber wieder ein Beispiel dafür, dass man "nur dem Handel etwas umhängt", während die Industrie gar nichts tun müsse. "Wir müssen sicherstellen, dass wir den Kunden informieren", so Kaser, auch mögliche Strafen würde einzig der Handel abbekommen.
Deutlich wird Kaser auch bei der Teuerungsdebatte. Es sei völlig klar, dass höhere Lebensmittelpreise die Leute belasten würden. "Aber dann so zu tun, als wäre der Lebensmittelhandel der einzige und alleinige Verursacher“ – das sei nicht in Ordnung.
Und er rechnet vor: Laut Statistik Austria entfallen 26,4 Prozent der Haushaltsausgaben auf Energie und Wohnen, aber nur 11,6 Prozent auf Lebensmittel. "Bevor wir hier Nanopolitik machen, sollte man sich wirklich einmal auf größerer Ebene überlegen, was man tun könnte."
So könnte Österreich etwa bei Energie sehr viel machen, wenn man denn wollte, ärgert sich Kaser. Weil viele Energieversorger großteils in öffentlicher Hand seien, wäre günstigerer Strom aus seiner Sicht möglich und ein echter Bonus – für Industrie, Handel und private Haushalte. "Es würde allen helfen, wenn die Energiepreise massiv nach unten gehen würden."
Den Überlegungen, eine Zuckersteuer einzuführen, erteilt Kaser eine Absage. Davon halte er gar nichts. "Das ist eine Bevormundung", sagt der Spar-Vorstand. Man sei eher für Information, dann solle "der Kunde bitte selber entscheiden, ob er Zucker isst oder ob er keinen Zucker isst". Also – "informieren, aufklären" und "nicht bevormunden".
Ein zusätzliches Ärgernis ist für den Spar-Vorstand der politische Ruf nach Offenlegung der Lebensmittel-Preisgestaltung. Das sei wieder typisch, man greife sich hier irgendjemanden heraus, der alles gläsern machen soll. "Was die gläserne Kalkulation betrifft, da könnte man mal beim Strom anfangen, da könnte man bei den Gebühren anfangen", so Kaser. Alles nur dem Handel umzuhängen, sei für ihn "Polemik" und ein Eingriff in die Marktwirtschaft.
Null Verständnis zeigte der Spar-Manager bei der Herkunftsauszeichnung in der Gastronomie. Er verstehe nicht, warum sich Interessenvertretungen oder die Politik so dagegen wehren. Für ihn sei das "die beste Tourismuswerbung" und zugleich "die beste Werbung für heimische Produkte". Und: Die Menschen hätten ein Recht darauf zu erfahren, woher ein Produkt kommt.
Allerdings schlägt Kaser auch versöhnliche Töne in Richtung Bundesregierung an, da auch "viele gute Dinge passieren". So habe die Regierung bisher "eher ausgleichend gewirkt", die politischen Extreme entschärft und am Arbeitsmarkt dazu beigetragen, dass die "Lohn-Preisspirale durchbrochen wurde". Auch der Stil gefalle ihm: "Es ist angenehm, wenn die Bundesregierung nicht permanent streitet.“
Zudem würden sich viele von ihm angeführte Kritikpunkte auf einen Nenner bringen lassen: "Es passieren die Dinge oft zu schnell und zu unüberlegt. Man sollte vielleicht die Betroffenen etwas mehr einbinden und etwas früher einbinden."