Drei-Punkte-Plan

Preistricks: Spar sagt Mogelpackungen den Kampf an

Der Handelsriese Spar hat am Donnerstag Maßnahmen gegen die Preistrickserei in Supermärkten angekündigt. Auch präsentiert – die Bilanz 2025.
Team Wirtschaft
13.03.2026, 05:45
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Gleicher Preis, weniger drin – und das teils bei unveränderten Packungsgrößen: Die sogenannte "Shrinkflation" sorgt seit Jahren bei vielen Supermarkt-Kunden für richtigen Ärger. Jetzt zieht Spar die Notbremse. Einen entsprechenden Drei-Punkte-Plan hat der Handelsriese bei der Präsentation seiner Jahresbilanz 2025 am Donnerstag vorgestellt.

Händler will Druck auf Lieferanten machen

Konkret schließt Spar bei Eigenmarken Shrinkflation künftig mit Garantie aus. Zweitens wolle man in harten Verhandlungen Lieferanten davon abbringen, geschrumpfte Produkte in die Regale zu bringen. Drittens: Sollte der Lieferant dennoch darauf bestehen, will Spar – wie ab April per Gesetz vorgeschrieben – mittels Aushangs klar darauf hinweisen.

Spar mit 22,3 Milliarden Euro Umsatz

Während sich viele Konsumenten (noch) über "Schrumpf-Packungen" ärgern und beim Einkauf stärker aufs Börsel schauen, wächst das Geschäft bei Spar weiter.

So hat die Spar Österreich-Gruppe 2025 mit 3.326 Handelsstandorten in Österreich und insgesamt fünf Nachbarländern gut 22,3 Milliarden Euro brutto umgesetzt. Das entspricht einem Plus von vier Prozent über alle Geschäftsbereiche hinweg – also Lebensmittelhandel, Sportfachhandel (Hervis) und Shopping-Center (SES Spar European Shopping Centers). Rund 93.500 Beschäftigte arbeiten inzwischen für den Konzern, davon knapp 51.000 in Österreich.

Bis zu 7,6 Prozent Plus im Lebensmittelhandel

Im wichtigsten Bereich, dem Lebensmittelhandel, hat Spar seine Position weiter ausgebaut und allein in Österreich den Umsatz um 4,2 Prozent auf 10,82 Milliarden Euro gesteigert. Damit lag das Wachstum klar über dem Branchenschnitt von 3,4 Prozent. Zusätzlich bleibt Spar damit die Nummer 1 im heimischen Lebensmittelhandel.

Noch deutlich stärker legte Spar im Südosteuropa zu. In Kroatien etwa schafften die Salzburger im Lebensmittelgeschäft ein Plus von 7,1 Prozent, in Slowenien waren es sogar plus 7,6 Prozent, in Ungarn immerhin plus 6,6 Prozent.

Hauseigene Diskontlinie boomt

Die Diskontlinie S-BUDGET bleibt, auch das zeigen die Zahlen, die umsatzstärkste Eigenmarke des Konzerns. Sie wuchs 2025 um acht Prozent. Ebenfalls ein kräftiges Plus verzeichnete der Händler bei der Bio-Marke Spar Natur*pur mit einem Plus von neun Prozent, bei der Premiumlinie Spar Premium mit plus sechs Prozent und bei der Gesundheitsmarke Spar Vital mit plus 15 Prozent. Hier spiegle sich, so Spar, der Trend hin zur gesunden Ernährung wider. Insgesamt machen Eigenmarken bereits 45 Prozent des Umsatzes im Food-Bereich aus.

800 Millionen für Expansion und Modernisierung

Allein 2026 will Spar 800 Millionen Euro investieren – sowohl in neue Standorte als auch in die Modernisierung bestehender Märkte. "Zu einer hohen Lebensqualität in einem Land gehört auch eine gut ausgebaute, leicht erreichbare Nahversorgung, die die vielfältigen Wünsche und Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung abdeckt", erklärt Vorstandsvorsitzender Hans K. Reisch.

Spar übernimmt 25 frühere Unimarkt-Standorte

Ein wichtiger Wachstumsschritt erfolgte Anfang 2026 mit der Übernahme von 23 früheren Unimarkt-Standorten und dem freiwilligen Wechsel von zwei weiteren Kaufleuten zu Spar als Großhandelspartner. 20 dieser Märkte werden künftig von selbstständigen Kaufleuten geführt, fünf als Filialen der Spar AG betrieben. Die Umstellung auf das Spar-Sortiment läuft bereits.

Ebenfalls auf der Agenda steht die Expansion mit den Spar express-Tankstellenshops. Von 2024 auf 2025 ist ihre Zahl von 91 auf 113 gestiegen. Für 2026 sind mit verschiedenen Tankstellen-Betreibern weitere zehn Spar express- sowie 16 Despar express-Standorte geplant.

Erstmals Kooperation mit Gesundheitsanbietern

Neu ist die Kooperation von Spar European Shopping Centers mit Gesundheitsanbietern. Im Sillpark in Innsbruck entsteht derzeit in Zusammenarbeit mit der Vinzenz Gruppe der erste SES-Gesundheitspark. Dieser ist direkt in die Shopping-Mall integriert und soll als Primärversorgungszentrum einfachen Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen bieten.

Gewaltiger Aufwand durch Mehrwertsteuersenkung

Ein weiteres Top-Thema für den Handel ist die geplante Senkung der Mehrwertsteuer auf 4,9 Prozent bei bestimmten Grundnahrungsmitteln mit 1. Juli 2026. Man bereite sich, so Spar, intensiv darauf vor: Rund 16.000 Artikel müssten in den Systemen angepasst, über eine Million Preisetiketten in den Märkten neu gesteckt und rund 6.000 Kassen umprogrammiert werden.

Ärger über Kosten in "Millionenhöhe"

Laut Reisch ist die Umstellung alles andere als einfach: "Die geplante Mehrwertsteuersenkung bei ausgewählten Grundnahrungsmitteln bedeutet für den Handel einen enormen Aufwand, der keinesfalls nur mit dem sogenannten 'einen Knopfdruck' zu bewältigen ist." Die Umstellung verursache Kosten "in Millionenhöhe", die in keinem Verhältnis zu den eher geringen Ersparnissen für einzelne Kunden stünden.

Hervis-Verkauf wegen Neuausrichtung

Strategisch stellt sich der Konzern ebenfalls neu auf. Ende Jänner 2026 trennte sich Spar von der Sporthandelskette Hervis. Der Fokus liegt künftig noch stärker auf dem Lebensmittelhandel sowie auf der Weiterentwicklung von Handelsflächen und Shopping-Centern.

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