Thurnher stellt sich ZIB2

"Ich hätte wissen müssen, dass diese Frage kommt"

Ingrid Thurnher übernimmt als Generaldirektorin des ORF, setzt auf Transparenz, Aufklärung und klare Maßnahmen gegen Machtmissbrauch im Sender.
Newsdesk Heute
12.03.2026, 22:33
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Mit "gemischten Gefühlen" startete ZIB-Legende Ingrid Thurnher am Donnerstag in ihre neue Rolle als interimistische ORF-Generaldirektorin: "Einerseits ist es die unglaublichste Ehre, jetzt dieses Unternehmen, dem ich seit 41 Jahren angehöre, leiten zu dürfen. Andererseits sind die Umstände alles andere als erfreulich", erklärte sie im Anschluss an die Krisensitzung des Stiftungsrates. Sie muss nun den Sender aus turbulentem Fahrwasser führen.

"Das Bild, das in den letzten Tagen öffentlich vermittelt wurde, ist eines, das sich unsere 4.000 Mitarbeiter nicht verdient haben. Es wird professionelle, engagierte Arbeit gemacht – auch in dieser schwierigen Krisensituation." Sie sei besonders stolz auf jene Kollegen, die die schwierige Aufgabe meistern mussten, über den hauseigenen Skandal zu berichten.

Thurnher gab dabei vor den versammelten Reportern ein Versprechen ab: "Für mich ist jetzt eines ganz klar: Es gibt in der Zukunft nur volle Transparenz – mit aller Konsequenz! Dafür werde ich mich mit aller Kraft einsetzen. Es muss alles auf den Tisch, es muss alles aufgeklärt werden."

Vertrauen sei das wichtigste Gut für einen öffentlich-rechtlichen Sender und das könne man nur mit völliger Transparenz zurückgewinnen. "Ich sage jetzt und hier dem Publikum zu, das mit aller Konsequenz zu machen", so die vorläufige ORF-Chefin.

Sie gelobte zudem, gegen jede Form von Machtmissbrauch am Küniglberg vorzugehen: "Macht bedeutet Verantwortung. Und mit dieser Macht werde ich darauf schauen, dass es keine Form von Machtmissbrauch, egal in welche Richtung, in diesem Unternehmen mehr geben darf. Diese Aufgabe werde ich nicht morgen, sondern heute Abend angehen. Und daran können Sie mich bitte messen und darauf können Sie sich verlassen."

Thurnher muss Weißmanns Zukunft entscheiden

Wenige Stunden später kehrte die erfahrene Journalistin und bisherige Radiodirektorin an einen für sie nostalgischen Ort zurück: das Studio der Zeit im Bild 2. Dieses Mal war allerdings sie der Gast und musste sich den Fragen von Martin Thür stellen. Dort sprach sie von einer "Herkules-Aufgabe", die vor ihr liegt.

Eine der Entscheidungen, die nun vor ihr liegt, ist jene über die Zukunft von Roland Weißmann. Dieser ist nach seinem Rücktritt immer noch normaler ORF-Mitarbeiter, allerdings beurlaubt.

Wie es mit Weißmann weitergeht?

"Bevor wir nicht ein klares Bild haben, kann man da gar nichts sagen. Ich habe bis jetzt keine konkreten Dinge gesehen. Wir sind ganz am Beginn der Aufarbeitung", so Thurnher. Sie will unabhängige Ermittler und die Compliance-Abteilung darauf ansetzen.

Erst, wenn der Bericht vorliegt, möchte sie sich eine Entscheidung anmaßen. Die Ergebnisse will sie unbedingt öffentlich machen: "Das ist genau die Transparenz, die wir den Menschen schuldig sind und für die ich eintrete."

Zeitungsberichte über mögliche andere mutmaßliche Opfer Weißmanns (Es gilt die Unschuldsvermutung!) möchte sie nicht noch kommentieren. Solche Informationen hätte wenn die zur Verschwiegenheit verpflichtete Compliance-Abteilung oder eben der Generaldirektor. Weißmann selbst habe nicht darüber gesprochen und sie selbst sei zu kurz im Amt: "Ich weiß es einfach nicht."

Hat der ORF tiefergreifende Probleme im Umgang mit Frauen?

"Wenn es ein Problem gibt, dann vom Erdgeschoss bis zum sechsten Stock [die Chefetage, Anm.]. Wie groß das im ORF ist, werden wir uns jetzt genau anschauen." Allerdings wehrt sich Thurnher gegen einen Generalverdacht gegen alle (männlichen) ORF-Mitarbeiter.

Die neue Rundfunk-Chefin gelobte neuerlich, die Aufklärung mit voller Transparenz vorantreiben zu wollen, und Konsequenzen zu setzen: "Ich hätte jetzt fast am liebsten gesagt: Es gibt kein Pardon."

Weißmanns Streit mit Pius Strobl? War das eine Intrige?

"Wenn ich das wüsste. Ich habe den Vertrag nicht gesehen, ich kenne die Hintergründe noch nicht. Wenn etwas Wahres dran ist, wenn da irgendwas nicht in Ordnung ist, dann werden wir es aufdecken und klarlegen."

Frühere Chefverfehlungen im ORF: Wie erklären Sie das den Gebührenzahlern?

"Am liebsten wäre mir, wir müssten das den Menschen nicht erklären, weil es einfach nicht vorkommt. Deswegen habe ich mir vorgenommen, die Institutionen im Haus anzuschauen. Wir haben Gleichstellungskommission, eine Gleichstellungsbeauftragte, Betriebsräte, die immer ansprechbar sind. Wir haben – noch nicht so lange – eine Whistleblower-Hotline. Wir schauen uns jetzt an, ob wir da gut aufgestellt sind, oder müssen wir nachlegen? Wenn das so ist, dann werde ich das sofort veranlassen, dass wir aufrüsten und lückenlosen Schutz für alle Mitarbeiter im Unternehmen anbieten können."

Wird sich Thurnher für die nächste reguläre Ausschreibung als Generaldirektorin bewerben?

"Ich hätte wissen müssen, dass diese Frage kommt", schmunzelte sie. "Sie hätten sie auch gestellt", fügte Thür hinzu. "Wahrscheinlich", lachte seine ZIB2-Vorgängerin zurück.

Dennoch kommt ihr die Frage zu früh: "Es sind jetzt 100 Stunden, dass ich damit konfrontiert wurde. Sie können sich vorstellen, dass mir ganz andere Dinge im Kopf herumgehen. Ganz ehrlich." Auch auf neuerliche Nachfrage hin, entzog sich die 63-Jährige hier schmunzelnd der Antwort: "Ich kenne diese journalistischen Werkzeuge. Lassen wir es einfach dabei."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 12.03.2026, 23:12, 12.03.2026, 22:33
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