Steuerersparnis nicht für alle

AK deckt Preis-Tricks bei Tampons & Binden auf

Der Entfall der Mehrwertsteuer auf Frauenhygieneartikel wird nicht von allen Supermärkten weitergegeben. Die Arbeiterkammer warnt.
Team Wirtschaft
25.01.2026, 16:35
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Seit 1. Jänner sind Tampons und Binden offiziell umsatzsteuerfrei. Eigentlich sollte das Frauen finanziell entlasten und den Zugang zu Hygieneprodukten erleichtern. Doch wie aktuelle Beobachtungen der AK Oberösterreich zeigen, kommen die Preisvorteile längst nicht überall an.

Die Marktforscher verfolgten die Preise von Binden und Tampons bei dm, Bipa, Müller, Spar, Billa und Hofer seit Februar 2025. Das ernüchternde Ergebnis: Während manche Händler die Steuerersparnis korrekt weitergaben, hoben andere die Preise sogar an.

Positivbeispiele gibt es dennoch: Spar senkte die Preise der beobachteten Produkte um bis zu 10 Prozent und korrigierte eine kurzfristige Preiserhöhung im Jänner um 24,4 Prozent. Auch dm reduzierte die Preise zwischen 8,9 und 24 Prozent, nur eine Großpackung o.b. wurde im Mai 2025 teurer.

➤ Bei Müller sanken die Preise 2026 zwischen 9,3 und 24 Prozent, nur ein Produkt stieg im Preis.

➤ Anders sieht es bei Bipa aus: Bei vier von acht Produkten gab es 2025 Preiserhöhungen, und obwohl Ende Dezember sechs Produkte durch Aktionen günstiger wurden, stiegen die Preise im Jänner wieder.

➤ Bei Billa wurde ein Produkt Ende November um 5,3 Prozent teurer, die Preissenkung im Jänner betrug jedoch nur 4,2 Prozent. Lediglich bei zwei Produkten wurde der Mehrwertsteuer-Entfall voll weitergegeben.

Bei Rewe Deutschland blieben die Preise der vier beobachteten Produkte über den gesamten Zeitraum unverändert. Hofer konnte nicht verglichen werden, da die Produkte 2025 aus dem Sortiment genommen wurden.

AK-Präsident Andreas Stangl nimmt die Politik in die Pflicht.
AK OÖ/Wolfgang Spitzbart

Die AK Oberösterreich zieht daraus ein klares Fazit: "Die Steuersenkung wird nicht von allen Händlern weitergegeben und die von der Regierung beabsichtigten Preissenkungen kommen nicht bei den Menschen an", heißt es. Die Folge: Die Inflation wird nicht wie erhofft gedämpft.

AK-Präsident Andreas Stangl fordert deshalb mehr Macht für die Bundeswettbewerbsbehörde: "Es reicht offensichtlich nicht aus, dass die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) Branchen analysiert und Preise beobachtet. Damit die Behörde wirksame Maßnahmen gegen wettbewerbsschädliches Verhalten setzen kann, braucht es gesetzliche Regelungen."

Sein Appell geht weiter: "Branchenuntersuchungen dürfen nicht mit Empfehlungen der BWB enden. Diese muss bei Feststellung erheblicher und fortwährender Störungen des Wettbewerbs Maßnahmen zur Beseitigung setzen können", so Stangl.

Es müssten Marktzugänge in konzentrierten Branchen, wie z.B. dem Lebensmittel- und Drogeriehandel, erleichtert und Konzentrationstendenzen gestoppt werden können, bis hin zur Entflechtung von Unternehmen, erklärt der AK-Chef, der abschließend fordert: "Nicht nur bei kartellrechtlichen Verstößen, sondern auch bei fortwährender Störung des Wettbewerbs müssen rechtswidrige Gewinne abgeschöpft werden können."

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