HPV, Grippe, Pneumokokken und Gürtelrose – das Gratis-Angebot an Impfungen in Österreich ist momentan groß. Wer sich mehrere holen möchte, aber Bedenken hat, ob der Körper das überhaupt verkraftet, bekommt jetzt alle Informationen.
Laut dem deutschen Robert Koch-Institut (RKI) ist das kein Problem. Dein Körper wird mit mehreren Impfungen auf einmal nicht überfordert – sofern man ein gesundes Immunsystem hat. "Das Immunsystem ist so leistungsfähig, dass es auf eine sehr große Anzahl von Impfstoffen gleichzeitig reagieren könnte", sagt das RKI. Bei einer Impfung bekommst du eine harmlose Version eines Krankheitserregers oder nur einen Teil davon gespritzt. Dein Körper bildet dann Antikörper und Gedächtniszellen, die dich beim nächsten Kontakt mit dem echten Erreger sofort schützen.
Laut der deutschen Ständigen Impfkommission (Stiko) ist es möglich, mehrere Lebendimpfstoffe auf einmal zu verabreichen. Diese kommen zum Beispiel gegen Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken zum Einsatz. Wenn du diese Impfstoffe nicht am selben Tag bekommst, sollst du mindestens vier Wochen dazwischen warten. Das liegt daran, dass in dieser Zeit typische Reaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle auftreten können.
Bei Totimpfstoffen oder einer Mischung aus Tot- und Lebendimpfstoffen brauchst du in den meisten Fällen keinen Abstand einzuhalten, sagt die Stiko. Totimpfstoffe werden etwa gegen Gürtelrose, Hepatitis B, Diphtherie oder Tetanus verwendet. Auch die bekannten mRNA-Impfstoffe gegen das Coronavirus zählen dazu, weil sie keine vermehrungsfähigen Erreger enthalten.
Totimpfstoffe enthalten abgetötete oder inaktivierte Erreger und sind nicht mehr vermehrungsfähig. Lebendimpfstoffe enthalten lebende, aber stark abgeschwächte Erreger, die sich in einem gesunden Körper nur noch vermehren, aber die Krankheit nicht auslösen können.
Wie viele Impfungen du auf einmal bekommen kannst, legt die Stiko nicht genau fest. Das entscheidest du am besten gemeinsam mit deinem Arzt oder deiner Ärztin. Manche Hausärzte sind bei vielen Stichen auf einmal vorsichtig, weil sie befürchten, dass die Impfreaktionen stärker ausfallen könnten. Außerdem lässt sich eine mögliche Nebenwirkung leichter einem bestimmten Impfstoff zuordnen, wenn nicht alles gleichzeitig gespritzt wurde, erklärt der Dortmunder Immunologe Carsten Watzl.
Willst du dich gleichzeitig gegen Grippe und Corona impfen lassen? Das ist laut Stiko kein Problem. "Sie wirken beide genauso gut, wie wenn man sie einfach verabreicht", sagt Watzl. Die Stiche sollten aber in verschiedene Gliedmaßen gesetzt werden, also zum Beispiel in beide Oberarme. Schwere Unverträglichkeiten durch die gleichzeitige Gabe von mRNA-Impfstoffen gegen Covid und Grippeimpfstoffen wurden bisher nicht beobachtet, so die Behörde.
Kombi-Impfstoffe sind genauso sicher wie einzelne Impfungen, bringen aber Vorteile: Du brauchst weniger Stiche, musst seltener zum Arzt und hast ein geringeres Risiko für Reaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle. Die Stiko empfiehlt sogar, zu solchen Kombi-Präparaten zu greifen.
Es gibt zum Beispiel Sechsfachimpfstoffe gegen Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung, Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Keuchhusten und Hepatitis B oder Vierfachimpfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Diese Mittel sind gut aufeinander abgestimmt und überfordern das Immunsystem – auch das von Säuglingen und Kleinkindern – nicht.
"Wenn ich einen Sechsfachimpfstoff erhalte, bekomme ich nicht sechsmal so starke Impfreaktionen", beruhigt Watzl, sondern nur in dem Ausmaß, wie es der Bestandteil mit der stärksten Reaktion auslöst.
Bei Kindern ist es so: Sie werden zwar heute gegen mehr Krankheiten geimpft als früher, aber die Impfstoffe enthalten weniger Bestandteile, die eine Immunantwort auslösen. Die Präparate sind hoch gereinigt und bestehen meist nur aus einzelnen Teilen des Erregers. "Bestimmte Infektionen können bei Säuglingen und Kleinkindern zu einem deutlich schwereren Krankheitsverlauf führen als bei älteren Kindern, zum Beispiel, weil die Atemwege bei Säuglingen noch sehr eng sind oder weil ihr sich noch entwickelndes Immunsystem bestimmte Infektionen nicht wirksam abwehren kann", erklärt das RKI. "Impfungen zum empfohlenen Impfzeitpunkt schützen Säuglinge und Kleinkinder vor Infektionen und möglichen schweren Folgen." Auch im Säuglingsalter sind die Impfungen gut verträglich.
Es gibt aber auch Impfstoffe, die nicht gleichzeitig gegeben werden sollen. Das kann in Einzelfällen vorkommen. Zum Beispiel wird beim in Deutschland zugelassenen Lebendimpfstoff Ixchiq (Valneva) gegen das von Gelsen übertragene Chikungunyafieber davon abgeraten, ihn gemeinsam mit anderen Impfungen zu verabreichen, weil dazu einfach noch zu wenige Daten vorliegen. Solche Hinweise findest du in der Packungsbeilage oder in den Fachinformationen zum jeweiligen Impfstoff.
Gerade in der Tropenmedizin sind mehrere Impfungen auf einmal aber üblich, weil viele vor einer Fernreise unter Zeitdruck stehen. "Reisemediziner kennen es, viele Impfungen auf einmal zu geben", sagt Watzl.