Ärztin erklärt Hintergründe

Warum kleine Kinder so oft krank sind

Eine aktuelle Studie zeigt: Junge Kinder tragen eine zentrale Rolle bei der Verbreitung von Atemwegsviren – auch wenn sie selbst kaum Symptome zeigen.
Heute Life
20.11.2025, 18:53
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Neue Forschungsergebnisse, die in der Fachzeitschrift Pediatrics veröffentlicht wurden, bestätigen, dass Atemwegsviren häufig in Schulen zirkulieren und dass jüngere Kinder eher dazu neigen, diese Viren in sich zu tragen und daran zu erkranken.

"Stille" Verbreiter

Forscher begleiteten über 800 Schüler und Mitarbeiter eines großen öffentlichen Schulbezirks in Kansas City, Missouri (USA) von November 2022 bis Mai 2023. Die Teilnehmer wurden gebeten, wöchentlich Nasenabstriche zu entnehmen und kurze Fragebögen zu Symptomen von Atemwegserkrankungen wie Husten, Halsschmerzen, verstopfter Nase oder Fieber auszufüllen. Ziel war es, sowohl das Vorhandensein von Viren als auch die Häufigkeit symptomatischer Erkrankungen im Zeitverlauf zu erfassen. Die Ergebnisse zeigten, dass Atemwegsviren und die von ihnen verursachten Erkrankungen sehr häufig vorkommen.
Jüngere Kinder im Vorschul- und Grundschulalter wiesen im Durchschnitt die höchsten Infektions- und Erkrankungsraten auf. Ältere Schüler und Mitarbeiter hingegen wurden seltener positiv getestet und erkrankten seltener. Viele junge Kinder hatten trotz Virusnachweis keine oder nur geringe Symptome, was sie zu "stillen" Verbreitern macht.

In der Studie traten Rhinoviren, also jene Viren, die Erkältungen verursachen, am häufigsten auf. Sie fanden sich bei 65 % der Teilnehmer im Laufe des Schuljahres. Coronaviren, die häufig saisonale Erkältungen auslösen, wurden bei etwa 30 % gefunden. Das Virus, das Covid-19 verursacht, SARS-CoV-2, wurde bei etwa 15 % nachgewiesen.

Neben dem SARS-CoV-2-Coronavirus, das wir seit der Pandemie in aller Munde ist, gibt es noch sechs weitere Coronaviren, die Menschen infizieren können. Vier davon verursachen meist leichte Erkältungssymptome, während die anderen drei potenziell schwere Atemwegserkrankungen auslösen können.

Expertin erklärt die Hintergründe

Aber warum infizieren sich jüngere Kinder häufiger und verbreiten die Erreger weiter? Was bedeutet das für Schulen und Familien, gerade jetzt, wo die Hochsaison für Atemwegsviren beginnt und Verwandte jeden Alters sich umarmen und die Keime so weiterverbreiten?
Dazu sprach CNN mit Dr. Leana Wen. Wen ist Notfallmedizinerin und klinische außerordentliche Professorin an der George Washington University.

"Das Immunsystem von Kleinkindern entwickelt sich noch, und viele sind noch nicht mit den vielfältigen Atemwegsviren in Kontakt gekommen, die jeden Herbst und Winter zirkulieren. Das bedeutet, dass ihre Immunabwehr weniger erfahren ist und sie daher anfälliger für Krankheiten sind, wenn sie damit in Kontakt kommen", so die Medizinerin. Noch dazu hätten Kinder Gewohnheiten, die die Verbreitung von Viren begünstigen: Sie greifen sich oft ins Gesicht, teilen Spielzeug und husten möglicherweise nicht so gründlich in die Armbeuge oder waschen sich nicht so konsequent die Hände wie ältere Kinder und Erwachsene. In Klassenzimmern und Kindertagesstätten sind sie stundenlang eng mit anderen Kindern zusammen. Und da sich manche Viren auch dann verbreiten können, wenn ein Kind nur leichte oder gar keine Symptome zeigt, können Kinder andere anstecken, ohne es zu merken.

Was bedeuten diese Ergebnisse für Familien?

"Kinder können bis zu acht Erkältungen pro Jahr haben und oft hat man das Gefühl, die Familie hätte gerade erst eine Krankheitswelle überstanden, als schon die nächste zuschlägt. Bei den meisten gesunden Kindern verlaufen Atemwegsinfektionen mild, dennoch kann die Erkrankung erhebliche Beeinträchtigungen verursachen, wie z. B. Fehlzeiten in der Schule, Arbeitsausfälle der Eltern und Belastungen des Familienalltags", so Wen.

Was können Eltern tun?

Der wirksamste Ansatz sei einfache, aber konsequente Prävention: regelmäßiges Händewaschen mit Seife und Wasser für mindestens 20 Sekunden – insbesondere vor dem Essen und nach dem Husten, Niesen oder dem Toilettengang. Stehen Seife und Wasser nicht zur Verfügung, ist ein Händedesinfektionsmittel auf Alkoholbasis die nächstbeste Option.

Kinder sollten lernen, beim Husten und Niesen den Ellbogen oder ein Taschentuch vor Mund und Nase zu halten und sich nicht an Augen, Nase oder Mund zu fassen. Familien sollten außerdem täglich häufig berührte Gegenstände und Oberflächen wie Spielzeug, Türklinken, Lichtschalter und Arbeitsflächen reinigen und desinfizieren, speziell, wenn jemand im Haushalt krank ist.

Das Vermeiden von engem Kontakt, wie Küssen oder dem Teilen von Getränken, mit Personen, die Atemwegssymptome aufweisen, kann die Ausbreitung ebenfalls eindämmen. Und zu Hause zu bleiben, wenn man krank ist, ist nach wie vor eine der wirksamsten Maßnahmen, um die Verbreitung von Viren in der Bevölkerung zu stoppen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 20.11.2025, 18:53
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