13 Tage im Tiefschlaf

"Mein ganzes Bein war weg" – Schock für Familienvater

Ein Kärntner verlor nach einer seltenen Infektion sein Bein. Drei Jahre später berichtet der 71-Jährige vom Kampf seiner Familie und dem Rechtsstreit.
André Wilding
28.09.2026, 20:09
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Drei Jahre nach einer schweren Erkrankung ist für einen 71-jährigen Kärntner nichts mehr wie zuvor. Früher war er beinahe täglich am Berg und mit dem Fahrrad unterwegs. Heute braucht er eine Prothese und einen Rollstuhl. Nach einem Rechtsstreit zahlte die Kabeg dem Mann eine finanzielle Entschädigung.

Begonnen hatte laut "Kleine Zeitung" alles mit starken Schmerzen. Der Kärntner suchte deshalb gemeinsam mit seiner Frau das Landeskrankenhaus Wolfsberg auf. Dort wollte ihn der behandelnde Arzt in der Unfallabteilung nach Angaben des Betroffenen wieder nach Hause schicken.

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"Fehler können passieren, aber es darf nicht sein, dass man so behandelt wird", wird der Mann in der "Kleinen Zeitung" zitiert.

Ehefrau weigert sich zu gehen

Seine Frau, selbst Krankenpflegerin, wollte das Krankenhaus mit ihrem Mann jedoch nicht verlassen. "Als uns der Arzt nach Hause schicken wollte, habe ich gesagt: Sie können die Polizei oder die Feuerwehr rufen, aber wir verlassen das Krankenhaus nicht", heißt es im Bericht der Tageszeitung.

Statt nach Hause zu fahren, suchte sie mit ihrem Mann eine andere Abteilung, "die Interne", auf. Dort kannte sie eine Krankenschwester. "Dort kannte ich zufällig eine Krankenschwester, die sich eingesetzt hat, dass ein Blutbild gemacht wird."

Daraufhin folgte eine Notoperation. Am nächsten Tag wurde der Mann ins Klinikum überstellt.

Seltene Infektion festgestellt

Später stellte sich heraus, dass der 71-Jährige an einer nekrotisierenden Fasziitis litt. Dabei handelt es sich um eine seltene Infektion durch fleischfressende Bakterien, die Gewebe rasch zerstören und sich im Körper ausbreiten.

"Diese Krankheit ist im Frühstadium extrem schwer und nur von Experten erkennbar", heißt es von der Kabeg gegenüber der "Kleinen Zeitung".

31 Stunden nachdem der Mann nach eigenen Angaben aus der Unfallabteilung nach Hause geschickt werden sollte, musste er künstlich beatmet werden. Er hatte eine Sepsis, zudem wurde ihm ein Bein amputiert.

"13 Tage lang war ich im Tiefschlaf. Als ich aufgewacht bin, war mein ganzes Bein weg", sagt der Kärntner zur "Kleinen Zeitung".

"Hätte mein Mann nicht überlebt"

Auslöser für den Krankenhausbesuch war zunächst ein scheinbar harmloser Vorfall gewesen. Der Mann war mit dem Fahrrad im Stehen umgefallen. Eine sichtbare Verletzung am Bein hatte er nicht. Erst in der Nacht setzten unerträgliche Schmerzen ein.

Seine Frau ist jedenfalls überzeugt: "Wenn wir damals wirklich von der Unfallabteilung nach Hause gegangen wären, hätte mein Mann nicht überlebt." Heute leidet der 71-Jährige weiterhin unter den Folgen. "Noch immer habe ich massive Phantomschmerzen, die einfahren wie der Blitz", sagt der Mann zur "Kleinen Zeitung".

Familie entscheidet sich für Klage

Der Schritt vor Gericht fiel dem Ehepaar nicht leicht. "Wir haben das Krankenhaus vor allem deshalb geklagt, weil so etwas nie wieder passieren darf", sagt das Ehepaar gegenüber der Tageszeitung.

Auch dass sich der behandelnde Arzt nach ihren Angaben bis heute nicht entschuldigt habe, spielte bei der Entscheidung eine Rolle. "Wir hätten nicht geklagt, wenn er im Nachhinein einmal das Gespräch mit uns gesucht hätte", erklärt die Ehefrau der "Kleinen Zeitung".

Viele hätten dem Paar von einer Klage gegen die Kabeg abgeraten. "Wir waren wirklich verzweifelt. Aber unser Anwalt Paul Wolf hat uns gut begleitet", heißt es weiter.

Nach wenigen Verhandlungen und der Einholung eines Gutachtens bot die Kabeg der Familie einen außergerichtlichen Vergleich an. Damit ist die Angelegenheit rechtlich abgeschlossen.

Familie gibt nicht auf

Für den 71-Jährigen bleibt der Verlust dennoch schwer zu akzeptieren. "Lieber als das Geld hätte ich mein Bein noch", sagt der Familienvater der "Kleinen Zeitung".

Unterstützung bekommt er von seiner Frau und seinen Kindern. Statt Fahrradtouren macht das Ehepaar heute Ausflüge mit dem Zug. Bewegung im Wasser ersetzt für den Mann das frühere Berggehen.

"Von einem Tag auf den anderen hat sich bei uns alles verändert, aber wir geben nicht auf", stellt das Ehepaar klar.

wil,28.09.2026, 20:09