Denkmalschützer entsetzt

Meloni als Engel in Kirchengemälde verewigt

Ein restauriertes Kirchenbild im Zentrum Roms sorgt für heftige Reaktionen. Wurde hier wirklich Premierministerin Giorgia Meloni als Engel verewigt?
Nick Wolfinger
01.02.2026, 14:58
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Die italienische Presse ist außer sich: Ein Engelsbild in der Basilika San Lorenzo in Rom wurde derart übermalt, dass das Gesicht nun jenem von Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni auffallend ähnlich sieht.

Fresko zu Ehren des letzten Königs

Das Fresko zeigt einen geflügelten Engel, der ein Pergament mit einer Italienkarte in den Händen hält und Teil eines monumentalen Grabmals für Umberto II., den letzten König Italiens (der 1946 ins Exil ging), ist. Konservatoren und Pressevertreter bemerkten, dass die Gesichtszüge des Engels heute stark an jene der amtierenden Regierungschefin erinnern.

Laut zuständiger Pfarre habe es jedoch keinen Auftrag dazu an professionelle Restauratoren gegeben, das Engelsbild zu übermalen. Vielmehr sei das Ganze auf Eigeninitiative eines ehrenamtlichen Helfers zurückzuführen, der regelmäßig in der Kirche tätig sei.

Er soll politische Sympathien für die Rechte haben, schrieb die Tageszeitung "La Repubblica" am Samstag. Der Helfer, ein Sakristan und Dekorateur, soll bereits für Ex-Premier Silvio Berlusconi privat Renovierungsarbeiten durchgeführt haben.

Rektor wollte "originalgetreue" Restaurierung

Der Rektor der Basilica, Monsignore Daniele Micheletti, zeigte sich überrascht. "Ich habe es heute in der Früh die Zeitung gelesen und mir anschließend das restaurierte Werk angesehen. Tatsächlich gibt es eine gewisse Ähnlichkeit, aber man müsste den Restaurator fragen, warum er es so ausgeführt hat – ich weiß es nicht", sagte er der Nachrichtenagentur ANSA.

Weiters betonte er, ausdrücklich darum gebeten zu haben, die Kapelle originalgetreu zu restaurieren. "Ich hatte darum gebeten, dass die Kapelle genauso wiederhergestellt wird, wie sie war", erklärte Micheletti.

Scharfe Kritik der Opposition

Die italienische Opposition hat die Restaurierung scharf kritisiert und verlangt eine offizielle Überprüfung durch das Kulturministerium. Es bestehe die Möglichkeit, dass das nationale Denkmalschutzgesetz verletzt worden sei. Die oppositionelle Fünf-Sterne-Bewegung kritisierte, Kunst und Kultur dürften nicht als Propagandainstrumente eingesetzt zu werden.

Meloni selbst reagierte auf die Vorkommnisse mit Humor. Auf Instagram kommentierte sie das Bild mit einem lachenden Emoji und erklärte: "Nein, ich sehe definitiv nicht wie ein Engel aus."

{title && {title} } NW, {title && {title} } 01.02.2026, 14:58
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