Er ist der wohl berühmteste Delfin dieses Sommers: Oliver taucht vor der kroatischen Küste immer wieder zwischen Schwimmern auf, nähert sich Booten und lässt Menschen ungewöhnlich nahe an sich heran.
Im Internet wurde der Große Tümmler zum Star. Videos zeigen ihn beim Spielen mit Wasserbällen oder beim Schwimmen neben Badegästen. Doch eine neue Aufnahme zeigt nun, wie gefährlich die Begegnung mit dem Wildtier werden kann.
Auf dem Video ist zu sehen, wie Oliver neben einem Schwimmer auftaucht. Plötzlich richtet sich der rund 300 Kilogramm schwere Delfin seitlich über dem Mann auf und drückt ihn beim Abtauchen unter Wasser.
Der Schwimmer kann sich nur mit Mühe befreien und wieder auftauchen. Nach bisherigen Informationen ging der Vorfall ohne schwere Verletzungen aus. "Dolpin Oli hat sich heute für Gewalt entschieden", werden dies sich verbreitenden Aufnahmen des Angriffs kommentiert.
Experten warnen schon lange davor, Oliver zu berühren oder ihm absichtlich zu nahe zu kommen. Der Delfin sei kein dressiertes Tier, sondern ein kräftiges und unberechenbares Wildtier. Bereits ein Schlag mit der Flosse könne schwere Verletzungen verursachen.
Beim Spielen könnten Delfine Menschen auch in tiefere Bereiche des Meeres ziehen. Besonders für Kinder, unerfahrene Schwimmer oder Menschen, die sich nicht selbst befreien können, bestehe Lebensgefahr.
Auch der direkte Kontakt kann laut den Experten gesundheitliche Folgen haben. Delfine und Menschen können einander gefährliche Krankheiten übertragen. Das Institut nennt unter anderem Tuberkulose, Leptospirose, Brucellose, Bindehautentzündungen sowie bakterielle und virale Hauterkrankungen. Besonders das Atemloch, das Maul und die Augen des Delfins dürften keinesfalls berührt werden.
Oliver wurde 2021 gemeinsam mit seiner Mutter als Kalb im Velebit-Kanal gesichtet. Nach Angaben des kroatischen Meeresinstituts Plavi svijet verhält sich Oliver nicht wie ein typischer Großer Tümmler. Seit der Trennung von seiner Mutter wurde er bisher nie gemeinsam mit anderen Delfinen beobachtet. Gleichzeitig spielt er mit Bojen und sucht immer wieder die Nähe von Menschen, die ihn berühren oder mit ihm schwimmen.
"Ein solches Verhalten ist charakteristisch für sogenannte Einzelgängerdelfine", erklären die Experten. Damit seien Tiere gemeint, die sich von ihren Artgenossen absondern und den Großteil ihrer Zeit allein verbringen. Warum manche Delfine zu Einzelgängern werden, sei bisher nicht geklärt.
Das Meeresinstitut weist darauf hin, dass Große Tümmler streng geschützt sind. Das Umzingeln, Berühren, Füttern oder gemeinsame Schwimmen gilt als Belästigung eines Wildtieres und kann bestraft werden.
Badegäste sollen mindestens 50 Meter Abstand halten. Taucht ein Delfin in der Nähe auf, empfehlen die Experten, das Wasser zu verlassen. Bootsfahrer sollen langsamer fahren und dem Tier keinesfalls den Weg abschneiden.
Im Gebiet rund um Oliver leben derzeit auch andere Große Tümmler. Die Hoffnung: Wenn Menschen auf Abstand gehen, könnte er sich wieder seinen Artgenossen anschließen. Kehrt der noch junge Delfin zu einem natürlicheren Leben zurück, könnten noch mehrere Jahrzehnte vor ihm liegen.
Oliver mag verspielt wirken. Die Aufnahme zeigt aber deutlich: Ein Wildtier bleibt ein Wildtier.