Mitten in der Adria sorgt ein außergewöhnlicher Meeresbewohner für Staunen. Ein Taucher entdeckte Anfang Juli in der Valkane-Bucht nahe Pula ein Exemplar der Art Aetomylaeus bovinus, wie das Aquarium Pula auf Facebook berichtet. Bekannter sind die Tiere unter den Namen Bullenrochen oder Entenschnabeladlerrochen, deren Bestand weltweit dramatisch zurückgegangen ist.
Der Fund gelang Klaudio Rajković am 6. Juli. In vier bis zehn Metern Tiefe beobachtete er das Tier rund zehn Minuten lang. Eine Kamera hatte der Taucher zwar nicht dabei, doch seine Beschreibung war eindeutig: Der Rochen hatte eine beeindruckende Spannweite von rund 1,5 Metern und einen langen Schwanz, der etwa zwei Drittel seiner Körperlänge ausmachte.
Besonders auffällig war das Verhalten des Rochens. Während er den Meeresboden nach Nahrung durchsuchte, wurde er von rund 40 kleineren Fischen begleitet. Sie ernährten sich offenbar von Organismen, die durch die Bewegungen des Tieres im Sand freigelegt wurden.
Rajković meldete seine Beobachtung dem Aquarium Pula. Die Einrichtung leitete die Informationen anschließend an Forschende weiter. Für die Experten ist der Fund besonders bemerkenswert: Im gesamten Mittelmeer gilt das Auftauchen des Entenschnabel-Adlerrochens als extrem selten.
Die Art steht auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN. Die Organisation geht davon aus, dass die Bestände in den vergangenen drei Generationen – einem Zeitraum von 51 Jahren – um mehr als 80 Prozent zurückgegangen sein könnten.
Als Hauptursachen gelten die Ausbeutung und der Druck durch menschliche Aktivitäten. Die Art wird deshalb als vom Aussterben bedroht eingestuft. Umso überraschender ist, was sich derzeit in der Adria abspielt.
Denn der Rochen vor Pula war offenbar kein Einzelfall. Im Golf von Triest dokumentierten Wissenschaftler des Meeresschutzgebiets Miramare Anfang Juli eine Gruppe von mehr als 50 Bullenrochen.
Es handelt sich um die bislang größte dokumentierte Ansammlung dieser Art in dem Gebiet. Die Tiere wurden dabei beobachtet, wie sie Muscheln an Aquakulturanlagen fraßen.
"Das ist das erste Jahr, in dem wir viele Tiere sehen, die sich zu Gruppen zusammenschließen", erklärte Saul Ciriaco, Leiter der WWF-Monitoring-Aktivitäten im Meeresschutzgebiet Miramare, gegenüber "Euronews".
Eine mögliche Erklärung für die ungewöhnlich vielen Sichtungen liefern laut Ciriaco strengere und selektivere Fangregeln. Diese könnten die Fortpflanzung der Tiere begünstigt haben. Ob der einzelne Rochen vor Pula mit der großen Gruppe im Golf von Triest in Verbindung steht, ist allerdings nicht bekannt.
Fest steht jedoch: Die nördliche Adria gewinnt für Haie und Rochen offenbar an Bedeutung. Seit 2023 gilt das Gebiet offiziell als "Important Shark and Ray Area" – also als besonders wichtiges Gebiet für Haie und Rochen. Es dient unter anderem als Brut- und Aufzuchtgebiet.
Für die seltenen Tiere gibt es dabei auch Konflikte: Im Golf von Triest werden bereits magnetische Abschreckmittel getestet, um Rochen von Muschelzuchten fernzuhalten – ohne sie zu verletzen.