Klara, Heidi und Peter sind erst fünf Wochen alt und leiden vermutlich an schwerem Katzenschnupfen. Auf dem Assisi-Hof des Österreichischen Tierschutzvereins in Stockerau werden die Streuner-Kitten nun medizinisch versorgt und aufgepäppelt.
Ihr Schicksal steht stellvertretend für ein Problem, das sich in Österreich weiter zuspitzt. Nach Angaben des Österreichischen Tierschutzvereins könnten 2026 so viele Streunerkatzen wie noch nie Hilfe benötigen. Trotz Kastrationspflicht und Förderprogrammen der Bundesländer leben weiterhin zehntausende verwilderte Katzen unter schwierigen Bedingungen.
„In einigen Wochen werden sie kastriert und hoffentlich in liebevolle Hände vermittelt, doch für jedes gerettete Katzenkind gibt es dutzende unentdeckte Würfe“Stephanie LangLeiterin, Assisi-Hof, Stockerau
Die Versorgung und Kastration verwilderter Katzen gehören für Tierschutzorganisationen längst zum Alltag. Der Tierschutzverein und andere Auffangstationen berichten 2026 jedoch von deutlich mehr Fällen. Gleichzeitig stoßen viele Tierheime und Pflegestellen zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen.
Eine österreichweite Statistik über die Zahl der verwilderten Katzen gibt es nicht. Schätzungen zufolge leben jedoch zehntausende Tiere im Verborgenen – etwa in Hinterhöfen, Kleingärten, Parks, landwirtschaftlichen Betrieben oder auf Industriebrachen.
Erschreckende Zahlen:
Die Population der Wiener Streuner wird auf rund 5.000 Streunerkatzen geschätzt.
In Niederösterreich geht man von einer doppelt so hohen Zahl aus.
In Oberösterreich wurden zwischen 2011 und 2021 rund 12.500 Streunerkatzen kastriert, gechippt und registriert.
Katzen können bereits ab dem vierten Lebensmonat geschlechtsreif sein. Nach Angaben des Tierschutzvereins kann ein einziges unkastriertes Katzenpaar innerhalb von zwei Jahren bis zu 50 Nachkommen hervorbringen. Dadurch können sich lokale Populationen innerhalb kurzer Zeit stark vergrößern. Besonders problematisch ist das dort, wo keine regelmäßigen Kastrationsaktionen stattfinden oder Katzen von Privatpersonen unkontrolliert ins Freie gelassen werden.
„Bis zur 14. Lebenswoche lassen sich Streuner-Kitten meist erfolgreich an Menschen gewöhnen“
Seit 2005 gilt in Österreich grundsätzlich eine Kastrationspflicht für Katzen mit regelmäßigem Zugang ins Freie. Ausnahmen bestehen unter anderem für registrierte Zuchttiere. In der Praxis fehlt es bei durchaus sinnvollen Gesetzen jedoch wieder einmal an der Kontrolle.
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Mittlerweile bieten alle Bundesländer Programme zur Kastration von Streunerkatzen an, doch die Umsetzung hängt häufig von den Gemeinden ab. In Niederösterreich nimmt laut ÖTV fast die Hälfte der Gemeinden das freiwillige Förderangebot nicht in Anspruch. Dabei liege der Kostenanteil der Gemeinden bei lediglich rund 40 Euro bei weiblichen Katzen und 20 Euro pro Kater.
Oft fehle es an klaren Informationen darüber, wer die Förderung beantragen könne und welche Stellen zuständig seien. Wichtig sei zudem die Unterscheidung: Die Förderprogramme gelten für herrenlose Streunerkatzen, nicht für Tiere mit bekannten Haltern.
Die wachsende Zahl verwilderter Katzen ist nicht nur ein Tierschutzproblem. Streunerkatzen jagen Vögel, Reptilien und Kleinsäuger. Nach Schätzungen können einzelne Tiere im Laufe eines Jahres zahlreiche Vögel erbeuten, darunter auch geschützte Arten.
Auch für Haus- und Grundstücksbesitzer können größere Katzenkolonien zur Belastung werden. Die scheuen Tiere suchen häufig in Kellern, Garagen, Schuppen oder Gärten Schutz. Dort können sie Kot, Beutereste und unangenehme Gerüche hinterlassen.