Tierischer Skandal

Ameisenschmuggel: Exotische Arten als neues Risiko

Der internationale Handel mit exotischen Ameisen boomt und birgt ökologische Risiken – die Regulierung hinkt der Nachfrage hinterher.
Heute Tierisch
20.07.2026, 07:38
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Der chinesische Angeklagte hat das Urteil ohne ein Wort entgegengenommen. Bei einer Kontrolle am Flughafen, wo die Wildtierschutzbehörde aus Kenia normalerweise nach Elfenbein Ausschau hält, stießen Mitarbeiter diesmal auf Ameisen. Die Richterin verurteilte den Mann zu einem Jahr Haft und einer Geldstrafe von knapp 10.000 Dollar. Danach wurde er abgeführt.

Die "Ameisengang"

Die Strafe soll vor allem abschreckend wirken, weil der Schmuggel von Ameisen in Kenia immer mehr zunimmt und der Handel die Umwelt schwer schädigt. Es war innerhalb eines Jahres bereits der zweite Fall. Schon im Vorjahr hatte die Wildtierschutzbehörde vier Männer aufgehalten, die sich selbst "Ameisengang" nannten. Darunter waren zwei 19-jährige Belgier, die 5.500 Ameisenköniginnen nach Europa schmuggeln wollten. Sie bekamen Geldstrafen von rund 5.000 Euro aufgebrummt.

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„Ich war sehr schockiert! Nicht nur wegen der schieren Anzahl der Tiere, sondern auch, weil es sich dabei um Ameisenköniginnen handelte.“
Dino MartinsAmeisenforscher, Kenia

Immer wieder muss der kenianische Ameisenforscher Dino Martins zum Flughafen, um dort die beschlagnahmten Tiere zu bestimmen. Martins, ehemaliger Direktor des Turkana-Basin-Instituts, zählt zu den führenden Ameisenexperten Afrikas und ist ebenfalls besorgt: "Der Schmuggel mit Ameisen nimmt zu, und das macht mir Sorgen", betont er.

Vor allem, weil es sich bei den beschlagnahmten Tieren um junge Königinnen handelte. Diese tragen noch Flügel, um auszufliegen und neue Nester zu gründen. "Wenn man Königinnen in diesem kritischen Moment einsammelt, unterbricht man einen zentralen Schritt für die Entstehung neuer Kolonien."

Die Ameise als Haustier boomt

Die afrikanischen Riesenameisen sind heiß begehrt. In Europa, Asien, den USA oder Australien gibt es einen Trend, sich Ameisen als Haustiere zu halten – besonders unter jungen Leuten. Die Tiere leben dann in gläsernen Terrarien im Wohnzimmer, wo die Königin Tausende Nachkommen zur Welt bringt, erzählt Michael Meier, ein Ameisenhalter aus Süddeutschland, der anonym bleiben will.

„Bei mir hat es mit der Ameisenhaltung während des Studiums angefangen und da ich keine Zeit für Hund oder Katze hatte, wurden es eben Ameisen. Ob ich heute oder morgen fütter ist ihnen egal.“
Ameisenhalter, DE

Ameisenkönigin um 200 Euro

Alles, was Meier für sein Hobby braucht, kann er im Internet bestellen. Zahlreiche Online-Shops bieten Ameisen zum Versand an. "African Ants" – mit solchen Kategorien werben viele Anbieter in Europa. Auch die afrikanischen Riesenernteameisen, die in Kenia beschlagnahmt wurden, finden sich in den Angeboten. Eine Ameisenkönigin kann mehr als 200 Euro kosten. Meier hat sich während seiner Studienzeit selbst eine Art aus Kenia zugelegt und damals 29 Kolonien in einem eigenen Zimmer gehalten. Als er mit seiner Freundin zusammengezogen ist, hat er das Hobby reduziert: Jetzt sind es nur noch vier Kolonien.

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Nicht bedroht, deshalb Schmuggel einfacher

Ameisen gelten nicht als bedrohte Art und stehen daher nicht im Fokus des Washingtoner Artenschutzabkommens, das von Cites überwacht wird. Ihr Handel ist also weder verboten noch reguliert. In Kenia ist zwar die Ausfuhr aller Wildtiere untersagt, doch Ameisen lassen sich, anders als Elfenbein, leicht im Handgepäck oder per Post schmuggeln.

Kommt ein Paket in Europa beim Zoll an, hängt alles von der Deklaration ab. In Ameisen-Foren geben Halter Tipps dazu. Da Ameisen weder im deutschen Zollbuch noch in der EU-Verordnung zu invasiven Arten aufscheinen, gibt es viele Schlupflöcher. Wird der Inhalt als "lebende Tiere" deklariert, reicht meist eine Begutachtung durch einen Tierarzt. In der Regel gehen diese Pakete aber einfach durch. Sogar der deutsche Versanddienst DHL erlaubt ausdrücklich den Transport von wirbellosen Tieren wie Bienen oder Spinnen.

Die kenianische Riesenernteameise ist besonders beliebt, erklärt Meier. Sie zählt zu den größten Ameisen der Welt und hält – anders als heimische Arten – keine Winterruhe. "Man hat also das ganze Jahr etwas davon", sagt Meier. Er gibt zu: Besonders exotische Arten sind unter Ameisenfans begehrt.

Shepherd betont, dass die meisten Ameisen über Pflanzenimporte nach Europa gelangen und nicht über den Onlinehandel. Trotzdem bleibt auch dieser ein Risiko. Niemand kann garantieren, dass nicht irgendwann ganze Kolonien ausgesetzt werden.

{title && {title} } red, {title && {title} } 20.07.2026, 07:38